Wehwechen

was alles weh tut


Bei Bummelrad steht der Mensch und nicht die Maschine im Vordergrund. Deshalb wäre es unfair, wenn ich nur über die Pannen unserer mechanischen Begleiter sprechen würde. Ich will Dir hier von den Schäden, Aussetzern und Problemen, aber auch von den Heilungen der Radreisenden erzählen. Schließlich könnte es ja auch Dein Schicksal sein... 

 

Denk jetzt bitte nicht, Du bräuchtest einen Begleitwagen voller Ärzte, weil Radwandern so gefährlich ist. Es kommt ganz auf Dich an, auf Deine Risikobereitschaft, Deine Ungeduld oder Deine Geschicklichkeit. Wenn Du in aller Regel ungeschoren durch Deinen Alltag kommst, dann spricht einiges dafür, dass Du das auch auf einer Radwanderung schaffst.


Muskelschäden

Womit Du leider auch als gesunder und trainierter Fahrer rechnen solltest, sind Muskelkater und Muskelkrämpfe. Das bleibt einfach nicht aus, wenn man nicht ein exakt auf die Umstände und den eigenen Körper abgestimmtes Fahrverhalten an den Tag legt. Beides hast Du wahrscheinlich selber schon am eigenen Leib erlebt. Aber nach einer Tagesetappe auf dem Rad in den Bergen ist das nochmal eine ganz andere Nummer.

 

Ein Muskelkater ist naheliegend, wenn du untrainiert bist, oder zumindest nicht aufs Radfahren gepolt. Er entsteht durch Überlastung des Muskels. Dabei entstehen feine Risse, entzünden sich und und füllen sich mit Wasser, so dass der Muskel anschwillt und schmerzt. Deshalb braucht er meist bis zu zwei Tage bis er voll da ist, bleibt dann aber auch ein paar Tage. Je nachdem wie stark und wo er auftritt, kann das ganz schön schmerzhaft werden und störend sein. Wärme, eiweißreiche Ernährung sowie ausreichend Schlaf und keine zusätzliche Belastung sind die Empfehlungen, die man zu seiner Behandlung am häufigsten liest. Manche empfehlen auch, das Dehnen lieber sein zu lassen. Nach meiner Erfahrung hilft aber nichts richtig, sondern Du musst da einfach durch. Deshalb empfehle ich Dir, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Wenn Du am Anfang nicht übertreibst und dich ein wenig vor der Fahrt aufwärmst, sollte sich der Muskelkater in Grenzen halten. Nach besonders knackigen Bergetappen kann er Dich aber auch nochmal heimsuchen. 

 

Unangenehmer sind dagegen Muskelkrämpfe. Das sind impulshafte Muskelkontraktionen, die Dich aus heiterem Himmel ohne Vorzeichen befallen können. Auf einer Radwanderung entstehen sie meist aus einer Kombination aus Überbelastung mit zu geringer Flüssigkeits- und Mineralzufuhr und bei Hitze auch Flüssigkeitsverlust. Entweder passiert das direkt in der Belastungssituation oder aber nachts im Schlaf.  Da man überrumpelt wird und anfangs keine Kontrolle über den Muskel hat, reagieren viele Betroffene mit spontanem Aufspringen oder unmotivierten Bewegungen, was je nach Situation auch mal unangenehm, manchmal sogar gefährlich werden kann. Du kannst dann nur versuchen den Krampf gegen seine Zugrichtung "herauszudehnen". Dazu Wasser trinken, vielleicht noch den Muskel leicht massieren und, wenn vorhanden, Magnesium nehmen. Wenn der akute Schmerz nach ca. 5 Minuten nachlässt, kann sich der verhärtete Muskel trotzdem noch Stunden später unangenehm anfühlen. Betroffen sind meist der Wadenmuskel und der Fuß, aber bei Radwanderern kann es auch mal der Oberschenkelmuskel sein. Also auch hier besser am Anfang nicht übertreiben, aufwärmen und auf einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt achten. Mir hilft insbesondere die regelmäßige Gabe von Magnesium vor dem Schlafengehen. Allerdings können bei Krämpfen auch Vorerkrankungen, Medikamente oder Alkohol eine Rolle spielen, das solltest Du im Auge behalten.


Schritt und Gesäß

Du hast bestimmt schon davon gehört: Am Anfang kann es am Hintern eine Weile unbequem werden. Meist geht's damit am zweiten bis dritten Tag los und bleibt ein paar Tage. Wenn man nur eine Woche hat, dann kann das leicht zum "prägenden" Eindruck der Radreise werden. Hier sind tatsächlich die Polster der allgegenwärtigen Fahrradhosen hilfreich.

 

Bleiben die Schmerzen im "Unterboden" bleibt auch die Fahrfreude auf der Strecke bleibt. Um so ein Problem solltest Du Dich intensiver kümmern. Erst mal heißt das, die Einstellung des Sattels und des Lenkers prüfen. Wichtigste Gegenmaßnahme ist nämlich die richtige Sitzposition auf dem korrekt eingestellten, ergonomisch richtigen Sattel. Was für Dich korrekt ist, musst Du ausprobieren. Wenn alles schrauben nichts hilft, ist wohl der Sattel nicht der richtige. Dann ist eine Neuanschaffung fällig. Frauen und Männer haben da sehr unterschiedliche ergonomische Ansprüche. Meist bevorzugen Frauen wegen ihres Beckenaufbaus breite Sättel, Männer hingegen schmalere Formen. Ein besonderer Fall sind Männer mit -sagen wir mal- Weichteilproblemen. Sie fühlen sich auf speziellen Sätteln mit Mittelrinne am wohlsten. Ich denke, ich muss die Gründe nicht weiter ausführen... Dass langes Radfahren für Männer unerfreuliche physiologische Nebenwirkungen haben kann, habe ich allerdings schon öfter gelesen. 

 

Noch etwas zum Thema Schritt:

Wenn Dir die hautengen Glitzer-Fahrradhosen nicht zusagen, weil Du sie -zu Recht- albern findest, wirst Du vielleicht in einer normalen, weiten Sporthose fahren wollen. Dann solltest Du Dich aber darauf einstellen, dass ein weiter Stoff an den Innenseiten der Oberschenkel reibt. Das macht er so lange, bis Du zwischen den Beinen wund und rot bist, Tatsache! Ich weiß leider wovon ich spreche... das gilt übrigens auch für die Geschichte von der Biene, die ins offene Hosenbein hineinflog und wenige Millimeter vor den entscheidenden Teilen ihren Stich setzte. Lange her, aber immer noch traumatisch, diese Erfahrung. Seitdem stelle ich meine stylistischen Bedenken gegen Fahrradhosen zurück und genieße ganz nebenbei die Vorzüge der Polsterungen.  Allerdings bin ich mittlerweile ein Fan von 3/4-Hosen über den Fahrradhosen. Damit bekomme ich beides unter einen Hut.

 

Knieprobleme

Handgelenke

Schulter und Nacken

Haut

Wunden

Ich will Dir wünschen, dass du meine Ausführungen zu Wunden in der Praxis nicht brauchen wirst. Denn ganz überwiegend kommen Sie durch Stürze zu Stande. Du kannst Dir aber auch Wunden beim Arbeiten am Rad (Reparatur, Aufsatteln, Anschließen) zufügen. Und -vielleicht am häufigsten- sind: Blasen! Das sind auch Wunden, und 


Erkältung und Fieber

Wenn Du bei Wind und Wetter an der frischen Luft bist, hört sich das erst einmal total gesund an. Ist es auch! Aber das macht Dich nicht immun gegen Ansteckungen oder Umstände, die Dein Immunsystem eher schwächen als stärken. Das kann durch Überanstrengung passieren oder aber wetterbedingt durch Regen oder Kälte. Selbst wenn Du die absolut richtige Kleidung dabei hast. Denn es kommt auch immer auf dein Verhalten an. 

 

Eine zuverlässige Art, sich was wegzuholen, ist z.B., nach einer langen Dauerregenfahrt die atmungsaktive High-End-Regenjacke zu öffnen um den Mief rauszulassen. Ein verständlicher Wunsch. Atmungsaktiv schön und gut, aber nach einer Weile wird es trotzdem heiß da drin und es muffelt. Allerdings lässt Du dann die körperwarme Luft hinaus und die durch den Regen heruntergekühlte Außenluft hinein, die dann Dein nasses T-Shirt und Deine verschwitze Haut abkühlt. Einen ähnlichen Effekt hast Du, wenn Du bei frischem Dauerwind fährst und Dich nicht warm genug einpackst, weil z.B. die Sonne doch schon so schön scheint. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, z.B. nasse Schuhe, nasse Haare im Wind, Kälte... Alles, was dein Immunsystem schwächen kann, kann Dich auch anfälliger für Krankheitserreger machen. 

 

Und mit etwas "Glück" hast du zwei Tage später Halsschmerzen, Schnupfen und vielleicht sogar Fieber. Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt ist da. Und der geht immer mit einem gewissen Unwohlsein einher.

 

So eine Erkältung kommt immer ungelegen und drückt auf die Stimmung im ganzen Team. Denn nun musst Du Dich schonen, im schlimmsten Fall pausieren. Die ganze Routenplanung kann in Frage gestellt sein. Die anderen Mitfahrer müssen Rücksicht nehmen und Du willst Ihnen andererseits nicht zur Last fallen. Da liegt es nahe, sich schnell mal eine Tablette einzuwerfen und weiter zu machen wie vorher. Ganz falsch! Mal abgesehen davon, dass bestimmte Medikamente dein Fahrvermögen beeinträchtigen können, ist es mit Erkältung auch keine echte Freude mehr auf dem Rad. Denn Du bist krank und wirst Dich trotzdem nicht richtig wohl fühlen. 

 

Bei leichten Symptomen ohne Fieber musst schauen, wie Du Dich fühlst und ob und unter welchen Bedingungen Du das Weiterfahren verantworten kannst und willst. Vielleicht trotzdem einen Gang zurückschalten? Denn es wäre natürlich nicht besonders clever, so Lange weiter zu machen, bis Du richtig was hast. Manchmal meint man zwar aufgrund der Umstände, es ginge nicht anders. Aber ich glaube, das da immer was anderes geht.

 

Auf keinen Fall solltest Du mit Fieber weiterfahren. Das Immunsystem hat dann so viel zu tun, dass Du es nicht noch weiter stressen darfst. Denn das kann ernsthafte Dauerschäden hinterlassen, die bis zu einer Herzmuskelentzündung führen können. Also such Dir ein  (beheizbares) Quartier und leg Dich ins Bett. Versuch, das Beste draus zu machen. Zum Beispiel den Halt als Wellness-Pausentag deklarieren. Dann ist es nur noch für den Kranken belastend, wenn die anderen unten im Hotelpool ihren Spaß haben (leider selbst schon so erlebt).

 

Manche Ärzte raten übrigens nach fiebrigen Infekten, auch nach Abklingen der Symptome, noch ein wenig mit dem Sport zu warten. Und wenn es weiter geht, langsam anzufangen und sich allmählich wieder zu steigern. Ich habe diesbezüglich auf meinen Reisen auch nicht immer alles richtig gemacht und saß meist nach einem Pausentag schon wieder auf dem Rad ohne groß Zurückhaltung zu üben. Inzwischen bin ich - hoffentlich - schlauer .