Wege unterwegs

auf den Belag kommt es an


Hier geht es um Beschaffenheit - Topografie - angepasste Fahrweise - Orientierung - Baustellen - Umleitung - Pfützen -Schlamm - Sand - Schotter/Kies - Spurrillen - Schienen - Treppen - Drängelgitter - Fahrverbote - Schmierfilm - Schlaglöcher - Fahrbahnrisse

Beschaffenheit

Als klassischer Radwanderer fährt man am liebsten auf Wegen mit guten Belägen. Denn  im Normalfall nutzt man zum Radwandern kein Mountainbike, es sei denn man versucht sich als  Bikepacker im Offroadbereich.  Aber selbst wenn Du ein Mountainbike dabei hast, wirst Du irgendwann merken, dass das Fahren auf Abwegen mit den Radtaschen und der schweren Straßenlage  Weg keinen Spass macht. Dann pumpst Du Deine Reifen lieber ordentlich auf, um weniger Rollwiderstand auf der Straße zu haben. 

 

Trotz der Vorliebe für glatte Pisten muss dass nicht unbedingt Asphalt bedeuten, wir sind ja schließlich keine Rennradfahrer. Es reicht, wenn der Belag ausreichend eben und durchgehend verfestigt ist und keine weiteren gröberen Schäden aufweist. Das kann auch ein verdichteter Kiesweg sein oder ein kleinteiliges Formsteinpflaster. Hauptsache keine Schlaglöcher, Wurzelaufrisse oder Wurzelerhöhungen, keine Spurrillen und keine regelmäßig wiederkehrende  Verformung. Letzteres klingt etwas abstrakt, ist aber eines der lästigsten Vorkommnisse unterwegs.

 

Dass echtes Kopsteinpflaster dazugehört, ist naheliegend.  Leider ist so etwas immer noch häufig anzutreffen, gerade in Ortsdurchfahrten. Entweder aus Kostengründen, weil die zuständigen Gemeinden kein Geld haben, oder weil der Denkmalschutz auf dem Erhalt der Buckelpiste besteht.  Leider fehlt es aus diesen beiden Gründen auch so gut wie immer an einer hilfreichen Alternative für Radfahrer, wie zum Beispiel einem dünnen Asphaltstreifen. Dort, wo es diese Streifen gibt, sind sie immer am Straßenrand, so dass alle paar Meter Autos darauf parken.

 

Aber auch die in Ostdeutschland noch oft vorkommenden Betonplattenwege (auch und gerade rund um Berlin) sind manchmal kaum befahrbar, weil sich nach Jahrzehnten die Platten in der Höhenlage verschieben. Dann hast Du als Radwanderer alle 2 bis 3 Meter eine Kante, gegen die Du fährst, manchmal bordsteinhoch.  Also weichtst Du auf die Grasnabe daneben aus, die aber oft auch schon völlig aufgewühlt und sandig ist.

 

Aber besonders bedauerlich sind Reifenspuren von Traktoren oder LKW´s, die sich oft in ansonsten gute und feste Kies-/Sandwege oder sogar Tennenbeläge manchmal kilometerweit eingegraben haben. So etwas passiert wahrscheinlich, wenn der Weg feucht ist, und dann schweres Gerät darüber fährt. Das ist dann wie Förmchen machen im Buddelkasten, nur mit dem Unterschied, dass das Gebinde des Weges ja extra dafür gemacht ist auszuhärten. Und so hat man dann, wenn es wieder trocken ist, das schönste Waschbrett-Rüttelsieb. Wer auf die Idee kommt, so einen toll wasserdurchlässigen und sicher topp nachhaltigen Radweg für Landwirtschaftsverkehr zu öffnen, hat schlicht keine Ahnung. Leider zu viele... manchmal sorgen Kompromisse eben auch für das Scheitern einer Idee.

 

Viele Waldwege erheben gar nicht erst den Anspruch, für Radfahrer geeignet sein zu wollen. Sie sind reine Wirtschaftswege, die durch befahren entstanden sind und haben meist überhaupt keinen Unterbau. Je nach den geologischen Bedingungen vor Ort können Dir also unpassierbare, lose Sandpisten unterkommen (bei Trockenheit) oder aufgewühlte Schlammstrecken (bei Nässe). Wenn die einem schlammig-lehmigen Boden hast und es ist gerade Trockenzeit, dann ist das auch nicht besser, denn dann sind die Furchen und Löcher, die in feuchten Phasen entstanden sind ausgehärtet und das Ganze gleicht eher einem Hindernisparcour.


Wenn es soweit ist...

Die Beschaffenheit deiner Wege hat ja schon bei der Streckenplanung eine Rolle gespielt, als es darum ging, Strecken entweder mit glattem Belag oder eher naturbelassen zu suchen. Viele Fahrradkarten und Fahrradapps geben hierüber inzwischen Auskunft. Oft lässt sich die Fahrbarkeit eines Weges aber erst vor Ort feststellen. Dann wirst Du mit der harten Realität konfrontiert. Jetzt hast Du den Belag direkt vor Dir, den Asphalt in all seiner Grobporigkeit und voller Schlaglöcher, das buckelige Kopfsteinpflaster oder den idyllischen Waldweg in seiner sandigen Tiefe. Es drohen mehrere Kilometer auf einem Rüttelsieb inklusive Sturzgefahr. 

 

Das kann eine ganz schöne Belastung werden und dein Vorankommen zeitlich negativ beeinflussen. Mal abgesehen davon, dass auch die Pannenwahrscheinlichkeit und Sturzgefahr mit sinkender Qualität steigen. Wenn Du also nicht gerade mit dem Mountainbike unterwegs bist und Dich auf die unerwartete Herausforderung freust, musst Du eine Entscheidung treffen. Ein kurzer Blick auf die Radkarte oder die Fahrradapp und eine neue Route ist gefunden. Das ist dann aber unter Umständen immer die Hauptstraße entlang oder mitten durchs Industriegebiet. Und manchmal führt an der vor Dir liegenden Piste im wahrsten Sinne des Wortes kein Weg vorbei. Was also tun?

Fahrrad wird über einen Deichbruch geschoben
Brenta Radweg - Ende der Ausbaustrecke

Eine schlechte Wegstrecke hat handfeste Nachteile. Du kannst nämlich kaum einen Blick vom Boden wenden. Statt der -vielleicht- schönen Landschaft um Dich herum siehst Du nur die nächsten paar Meter Weg vor Dir und bemühst Dich, einen Sturz zu vermeiden. Und ein Schaden am Rad muss ja auch nicht sein. Weil der Lenker auf unebenem Untergrund fest im Griff bleiben muss, geht eine schlechte Wegstrecke auf die Arme, Schultern und Hände. Ganz zu schweigen von Deinem Steissbein, das die ständigen "Tritte" von unten abfedern muss. Abgesehen davon kommst Du auch nicht richtig voran. Es gibt also durchaus gute Gründe, auf solch einen Streckenabschnitt zu verzichten. Allerdings ist das Ganze - wie sollte es anders sein - auch eine sehr individuelle und situative Entscheidung. Da spielt dann auch das Wetter mit hinein, die Uhrzeit, die Stimmung im Team, gesundheitliche Belastungen usw.

 

Aber das ist ja das Schöne an dieser Art zu reisen, nichts ist vorhersehbar und man muss sich auch mal Herausfordeungen stellen. Hinterher hat man jedenfalls immr gute Fotos...

 

Du hast sicher verstanden, es gibt hier keinen pauschalen Tipp. Aber ich kann Dir ein paar zusätzliche, allgemeine Kriterien nenne, die Dir bei Deiner Entscheidung helfen könnten. 

  • Wie lang ist der Streckenabschnitt ungefähr nach Karte? Vielleicht nur kurz und schmerzlos bis zur nächsten Straße?
  • Gibt es weitere Indizien, dass es bald wieder besser wird (mal auf nem Luftbild schauen). 
  • Gibt es besser befestigte Alternativen im selben Streckenkorridor? Zum Beispiel am Deich auf der anderen Flußseite oder ein Stück höher am Hang? Auch Wirtschaftswege, die nicht als Radwege ausgeschildert sind, können oft helfen (vorher aber schauen, ob er nicht in der Pampa endet...)
  • Ist der Abschnitt einfach überall als absolutes Highlight beschrieben? Dann muss es wohl...
  • Wie schlimm ist der Belag tatsächlich? Nach dem ersten Schreck nochmal objektiv prüfen...

Ein  gutes Zeichen sind einheimische Alltagsradler, die entgegenkommen oder überholen. Im Zeifel einfach mal nach dem Weg fragen.

 

Wenn es einfach nicht mehr weiter geht, musst Du wohl oder übel auch mal umdrehen. Ich hatte im Schwarzwald mal so einen Fall, wo ich auf einem als Wanderweg ausgeschilderten Weg an einem Bach hinunter ins Tal im Dickicht nicht mehr weiterkam und wieder auf den Berg zurück schieben musste. Stattdessen bin ich die Hauptstraße hinunter ins Tal gefahren, die überraschend leer war. Eine der schönsten Abfahrten, die ich hatte, ich konnte das Rad einfach laufen lassen.

 

Wenn Du dich entscheidest, die Offroad-Piste zu fahren, dann bitte mit der entsprechenden Vorsicht. Durch lose Steinchen auf ansonsten festem Untergrund (Rollsplitt) kannst Du den Grip beim Lenken und beim Bremsen komplett verlieren. Tückisch sind aber auch Spurrillen und Risse in Fahrtrichtung, die Dir den Lenker verreißen können, wenn Du hinein gerätst.