Pausen

Unterwegs zur Ruhe finden


Pausen sind das Salz in der Suppe auf Deiner Radreise. Sie dienen nicht nur der Erholung von den Anstrengungen der letzten Stunden, sondern auch der Schärfung deiner Sinne. Du kannst sie mit Trinken oder Essen verbringen,  oder mit der Orientierung auf der Karte, wie es im Anschluss weitergeht. Wenn Du Dir ein bisschen Zeit nimmst, kannst Du sie aber auch nutzen, um die Augen zu schließen und in die Ruhe hinein zu lauschen. Die Gerüche aufzunehmen oder den Wind auf der Haut zu spüren. Du kannst Wolken beobachten, Bäume oder Tiere, ganz egal. Die Zeit, die Du Dir für Dich nimmst unterscheidet eine Pause von einem Halt.
Die Pausen gehören zu den Dingen, an die Du Dich später am Besten wirst erinnern können. Weil sie eben nicht wie die Fahrt auf dem Rad linear sondern punktuell sind und Du sie mit einem Ort verbinden kannst. Ich kann mich noch heute an so manche Pausenbank erinnern, auf der ich vor Jahren gesessen habe.

 


Wann Pause machen

Eine Pause kannst Du schlecht im Voraus planen. Denn Du solltest eine Pause immer dann machen, wenn Du sie brauchst, weil Du erschöpft bist. Es kann natürlich auch mal eine Zwangspause wegen einer Reparatur oder wegen der der Wartezeit auf eine Fähre oder Schleuse sein, die Deine Fahrt unterbricht. Manchmal muss auch einfach der morgentliche Einkauf, den man für seine große Pause gemacht hat gegessen werden, weil er sonst schlecht wird, z.B. Milchprodukte aus dem Kühlregal.

 

Einen schnöden Halt wirst Du viel, viel öfter machen. Weil Du Dich orientieren willst, weil Du auf Deine Mitfahrer wartest oder einfach ein Foto machst. Wegen solcher Stopps oder wegen kleinerer Pausen wirst Du Dir nicht viele Gedanken machen, sondern einfach absteigen. Aber für die Große Pause wirst Du schon ein paar Ansprüche haben, damit sie wirklich ein besonderes Ereignis werden kann. 

 


Lage

Entweder Du entdeckst spontan einen tollen Pausenplatz, den Du nicht einfach so vorbeifliegen lassen kannst, oder Du brauchst einfach eine Pause, weil Du erschöpft bist oder Hunger hast und nimmst was kommt. Gar nicht so selten kommt nämlich lange nichts. Was ein guter Ort für eine längere Pause ist, liegt natürlich wie immer im Auge des Betrachters. Aber ich glaube, ein paar Eigenschaften eines guten Pausenortes, die wohl den meisten Radwanderern wichtig sind, kann ich benennen:

  • Ruhig sollte der Platz sein. Denn ohne Ruhe kannst Du den entspannenden Teil Deiner Pause nicht richtig genießen. Wenn Du die benachbarte Autobahn also aufdringlich hören kannst, such lieber noch ein bißchen weiter. 
  • Die direkte Umgebung des Pausenplatzes sollte einen gewissen Reiz haben und nicht verbaut oder verschmutzt sein. Aber manchmal türmen sich -auch in der offenen Landschaft- neben Pausenplätzen Müll oder Schutt auf. Wenn die örtliche Jugend den Platz auch (dann eher abends) nutzen sollte, kannst Du selbst im hintersten Winkel mit Tags und Graffity auf den Bänken und Tischen rechnen. Plätze in der Nähe von Trafostationen, Klärwerken und Hochspannungsmasten sind auch nur zweite Wahl. Die sehen nicht nur unschön aus sondern können Geräusche machen, stinken oder elektromagnetische Wirkung entfalten.
  • Wenn der Platz einen schönen Ausblick bietet, dann schlag zu. Wer weiß, wo der nächste Platz liegt oder ob am nächsten Ausblick ein guter Pausenplatz ist. Solche Gelegenheiten kommen meist nicht so schnell wieder.
  • Sieh Dir an, was für Menschen in der Nachbarschaft Pause machen und überleg, ob die Leute zu Dir passen. Wenn Du Ruhe willst, wäre die sechsköpfige Familie vielleicht unpassend, aber auch das örtliche Trinkerkollektiv auf der Nachbarbank.
  • Ungestörtheit ist auch immer schön, aber manchmal auch nicht ganz einfach. Die "Geheimtipps" für ein idyllisches Picknick  sind eben nie geheim. Mit Besuch solltest Du immer rechnen. Der kommt meist dann, wenn Du Dich gerade häuslich eingerichtet hast.
  • Auf dem Präsentierteller sitz auch niemand gerne. Als Radwanderer fällst Du sowieso schon etwas aus dem üblichen Rahmen und stehst deshalb unter besonderer Beobachtung. Kinder sind besonders interessiert.
  • Ein Platz ohne Mücken oder Bremsen sollte es schon sein, sonst wirst Du es nicht lange aushalten. Also lieber mal schauen, ob nebenan ein Tümpel oder Sumpf ist. Dann lieber weiter...
  • Ohne Wespen wäre auch schön. Aber das geht im Sommer nur dort, wo keine Mülleimer und keine anderen Menschen sind.
  • Wenn Du einen See als Pausenort findest, hast  Du das große Los gezogen. Vorausgesetzt, es sind keine Mücken da und Du findest eine Einstiegsstelle, kannst Du Deine Pause mit einem Bad verbinden.
  • Die Lage im Schatten oder in der Sonne ist - logisch - vom Wetter abhängig.
  • Gut ist auch, wenn in der Nähe (nicht direkt am Platz!) auch eine Gelegenheit für einen Toilettengang ist. Das kann ein echtes WC sein, aber auch ein Baum oder ein Gebüsch ein paar Schritte vom Hauptweg ab. 
  • Ein Sonderfall sind Stadtbesichtigungen. Da macht man auch mal gerne am belebten Marktplatz ein Päuschen und beobachtet die Leute. Das gilt auch für Pausenbänke bei anderen Touristenattraktionen. Bei dem Kommen und Gehen dort entsteht immer das schöne Gefühl, nicht dazu zu gehören und irgendwie alles richtig gemacht zu habe

Du wirst Dich einfach entscheiden, wenn es soweit ist.


Ausstattung

Die optimale Ausstattung des Platzes hängt stark vom Typus des Radwanderers ab. Wenn Du zeltest und ohnehin Decken dabei hast, wirst Du nicht unbedingt eine Bank oder einen Tisch brauchen. Dafür aber nach nicht allzu hohem Gras und nicht allzu spitzen Steinchen ausschau halten. Das ist manchmal auch nicht so einfach. Trotzdem kannst Du auch die an vielen Radwegen aufgestellten Bank-Tisch-Kombinationen bevorzugen. Die haben nicht nur den Vorteil , dass Du richtig am Tisch sitzen und Essen kannst, sondern dass sich nach dem Essen zwei Personen längs auf die Bank zum relaxen legen können, ein echtes Plus für Zweiergespanne.  Aber aufpassen, die Bänke sich oft vom Wetter arg mitgenommen und aufgesplittert. Wer also seine Funktionskleidung nicht riskieren möchte, sollte sich hier sicherheitshalber etwas unterlegen. Eine normale Bank ohne Tisch tut es natürlich auch. Die Häufigkeit von Bänken ist allerdings von Landstrich zu Landstrich unterschiedlich. Manchmal kommen alle 500m Bänke, manchmal über 10 Km keine einzige. Dann ist man froh, so ein gutes Stück erobert zu haben, egal wo. 

 

Die Räder sollten während deiner Pause sicher stehen können, entweder irgendwo angelehnt oder auf festem Boden. Wenn aus heiterem Himmel eines der Räder umstürzt, weil z.B. der Boden weich wird, dann ist mit der Entspannung erst mal vorbei.

 

Es gibt einige Vertreter der Zunft, die sich Mittags immer in der lokalen Gastronomie ein warmes essen gönnen. Diese haben bei Ihrer Pausenwahl natürlich nicht viele Optionen und müssen manchmal auch Umwege in Kauf nehmen. Mir persönlich reicht es, mal in einem schönen Biergarten ein Kaltgetränk zu nehmen, wenn er denn am Weg liegt.


Zeitpunkt und Dauer

Du wirst über den Tag verteilt sicher mehrere Pausen machen, wovon vielleicht eine länger ist. Diese große Pause wird wahrscheinlich irgendwo im Zeitfenster von 11 Uhr bis 15 Uhr liegen. Vorher nicht, denn da ist das Frühstück ja noch frisch, und später nicht, weil Du ja dann schon bald ankommen und lieber mehr Zeit am Zielort verbringen willst.

 

Der Zeitraum rund um den Sonnenhöchststand bietet sich aber nicht nur wegen der Tageseinteilung für die große Pause an. Bei Hitze und praller Sonne kann ein Nickerchen im Schatten auch dem Selbstschutz dienen und auch gern mal zwei Stunden dauern. Ansonsten reicht meist ein Stündchen für die große Pause. Die Länge Deiner Pause wird wahrscheinlich auch davon abhängen, wie spät es schon ist, und ob Du zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein musst (Fähre, Hotel)