Radreisen in Coronazeiten

Ein Rückblick


Wir haben 2020 nur eine einzige große Radreise gemacht. Über die Erfahrungen dabei will ich hier kurz berichten. Wie vermutet wurde wegen der Reiseunsicherheiten viel Urlaub im eigenen Land gemacht. Die meisten waren offensichtlich der Hotellerie gegenüber etwas reservierter und blieben lieber unabhängig. Sie haben sich eine Ferienwohnung gesucht oder haben sich zumindest an der frischen Luft  auf den Campingplätzen getummelt. Aber wie uns unisono viele Gastwirte und Gastronomen berichteten, haben sich auch mehr als sonst die Menschen für Urlaub mit dem Fahrrad entschieden. Auf der Strecke ist uns das glücklicherweise nicht aufgefallen, aber wir waren auch nicht unbedingt an den "Hot-Spots" der Radreiseszene. Wir hatten jedenfalls außer an Samstagen keine Probleme, an unseren Wunschzielen ein Quartier zu finden. Allerdings waren die Preise - ohne eine Statistik angefertigt zu haben - 2020 gefühlt etwas höher... 

 

In der offenen Landschaft an der frische Luft war Corona für uns überhaupt kein Thema, wir konnten das während der Zeit auf dem Rad vollständig ausblenden! Vielleicht war es ein besonders gutes Zeichen, dass ich die ganzen dreieinhalb Wochen immer wieder die Maske vergessen habe und zurück zu den Rädern musste, um sie zu holen.

 

Die wenigen Berührungspunkte mit Covid-19 waren die Einkäufe unterwegs, hier und da mal eine Besichtigung, Ein- und Auschecken im Hotel sowie Frühstück und Abendessen. Im Juli waren die Bedingungen im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte noch entspannt. In jedem Bundesland wurde mit dem Thema anders umgegangen und die lokalen Vorschriften wurden von den Betroffenen auch sehr frei interpretiert. In Bayern war es  z.B. streng, in Thüringen hingegen sehr frei.

 

Am deutlichsten wurden die besonderen Umstände bei Frühstück in den Hotels und Gasthöfen. Denn hier kommen alle Gäste in relativ kurzer Zeit zusammen und wollen sich am Buffet bedienen. Der Ideenreichtum der Gastgeber, wie man die Situation denn nun bewältigen könnte kannte deshalb keine Grenzen. Und die Sinnhaftigkeit der gefundenen Lösungen erschloss sich leider auch nicht immer. Die ersten Tage mussten wir am Vorabend auf einem Vordruck ankreuzen, was wir gern zum Frühstück hätten und zu welcher Zeit wir es einnehmen wollen würden. Dafür bekam man dann eine Platte mit den bestellten Gaben auf den Tisch gestellt, das Buffet fiel aus. Aber schon bald schlichen sich Variationen ein, z.B. Buffet mit Bedienung, was bedeutete, sich 10 Minuten mit Maske anzustellen um sich von der Dame dort die Sachen auf den Teller legen zu lassen. Was uns dabei verwundert hatte, war, dass man sich meist den Saft selber einschenken durfte, d.h. die Karaffe ging von Hand zu Hand. Manch ein Hotelier lies zwanghaft die  Tische putzen, manche fanden das komplett entbehrlich. Für uns am unangenehmsten war die (von größeren Hotels) praktizierte Methode, sich in Zeitfenster eintragen zu müssen, das meist nur 45 Minuten betrug und das Frühstück zu einer Expressveranstaltung machte. Solche Angebote haben wir daher mehrmals abgelehnt und ohne Frühstück gebucht.  Stattdessen haben wird uns lieber ein Café oder einen Bäcker in der Nachbarschaft des Hotels gesucht. Danach gings wieder aufs Zimmer zum packen. Dadurch war der Ablauf für uns entspannter. Die meisten Hotels beließen es aber letztendlich bei einer Maskenpflicht am Buffet.

Als wirklich positiv stellte sich für uns die Nutzungsbegrenzung der Aufzüge auf eine Person oder maximal zwei Personen aus einem Haushalt heraus. Auf der ganzen Reise niemand, der sich noch zu einem in die enge Kabine drängen wollte - sehr entspannend. Das könnte gerne beibehalten werden ;)

 

Was allerdings dieses Jahr allerdings noch anders als sonst ausfiel, waren die Begegnungen unterwegs. Die Menschen waren offensichtlich nicht so auf Kontakt aus und schon gar nicht zu Fremden. Außer den Gesprächen mit den Profis aus der Gastronomie, die sehr mitteilungsfreudig waren, und einem netten Schweizer Radfahrer und Warmshowershost blieben die kleinen Begegnungen am Straßenrand diesmal weitgehend aus.


Ein Ausblick

Mittlerweile haben wir 2021, aber ein Ende der Einschänkungen ist wohl auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Aber vielleicht ist zumindest ab dem Frühling das Reisen wieder möglich, wer weiß. Deshalb ist es sicher nicht verkehrt, sich schon jetzt ein paar Gedanken zu machen.