Bahn fahren

Gewusst wie

Das es nicht leicht ist, ein Ticket für sich und das Fahrrad für die Bahn zu ergattern, habe ich schon beschrieben. Aber nicht nur das Angebot (siehe Anreise) sondern auch die eigentliche Fahrt mit der Bahn selber ist oft genug eine Zumutung. Denn meist stellt insbesondere der Ein- und Ausstieg ein nervenaufreibendes Abenteuer dar, das man sich gerne ersparen würde. 

 

Hierfür prägst Du Dir am besten folgende Vorgehensweise ein:

 

Am wichtigsten ist es, rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Je nachdem, wie du dorthin kommst, solltest Du Dich frühzeitig auf den Weg machen. Ich habe schon einmal einen Zug verpasst, weil ich die Zeit von zu Hause zum Bahnhof zu knapp kalkuliert hatte (nun gut, es kamen auch noch andere unglückliche Umstände hinzu: eine Tüte war zu dicht am Reifen befestigt und scheuerte durch, so dass meine Getränke und Lebensmittel sich über einen halben Kilometer entlang meiner Fahrtstrecke auf der Straße verteilt haben. Am Bahnhof angekommen gab es dann einen Gleiswechsel, so dass ich dem abfahrenden Zug gerade noch zum Abschied winken konnte...).

 

Am Bahnsteig (vorausgesetzt, es ist der Richtige) ist der erste Gang des Radreisenden der zum Wagenstandsanzeiger, um zu schauen, in welchem Abschnitt des Bahnsteigs das Piktogramm des Fahrradabteils vermerkt ist. Da die Radabteile in der Regel ausgebucht sind, sammeln sich an der vermerkten Stelle in dem betreffenden Bahnsteigsabschnitt meist schon mehrere Radfahrer mit jeweils mindestens zwei Taschen - wenn Du mutig bist, kannst du den ersten Schritt überspringen und gleich dorthin gehen. 

 

Dort löst Du Deine Taschen vorsichtig, aber lässt sie noch auf dem Fahrrad! Denn in jedem zweiten Fall stimmt die Zugreihung in Bezug auf das Fahrradabteil nicht mit dem Wagenstandsanzeiger überein. Wenn Du dann vom hinteren Ende des Bahnsteigs zum vordern musst, vorbei am Gedränge der anderen Passagiere, die ja auch in den Zug wollen, dann könnte Dir das einen entscheidenen Zeitvorteil bringen. Vorausgesetzt, dass nicht in letzter Sekunde für Deinen Zug der Bahnsteig gewechselt wird, denn dann bist Du geliefert. 

 

Wenn es gut läuft, wirst du außen am richtigen Wagon das Fahrradpiktogramm erkennen. Meist musst Du diesem dann noch ein paar Meter nach Links oder Rechts nachlaufen. Erst wenn der Zug richtig steht und Du auch, nimm die Taschen vom Rad. 

 

Mit den Taschen auf dem Rad einzusteigen kann ich niemandem empfehlen, denn in Fernzügen muss man oft mehrere Stufen überwinden. Dann steht das Rad so schräg, dass die Taschen nach unten verrutschen oder abreißen können. Oder sie bleiben im Türrahmen hängen, denn der ist meist schmaler als ein bepacktes Fahrrad. Aber damit nicht genug, denn ist man erst einmal oben angelangt geht es im rechten Winkel herum weiter. Das Fahrrad muss im Stand um die eigene Achse gedreht werden, denn Raum zum rangieren ist nicht vorhanden. 

 

Ist man dann bei den Fahrradstellplätzen angekommen, geht dort meist alles drunter und drüber. Alles voller Räder, Taschen und Menschen. Man kann nirgends mehr richtig hintreten und muss dabei auch noch den Diskussionen der anderen Radreisenden lauschen, die sich um falsch plazierte Räder zanken. Beteilige Dich erst mal nicht daran, sondern hol lieber deine Taschen rein, die Du an der Bahnsteigkante stehen lassen musstest (und die hoffentlich noch da sind). Dazu musst Du allerdings in den engen Gängen an den anderen Reisenden, die noch einsteigen, wieder vorbei.

 

Das ist der wirklich stressigste Teil der Reise. Denn die Zeit des Zuges in der Station ist meist auf ein paar Minuten begrenzt, und wenn es nicht richtig vorangeht, kann einen leicht die Panik packen. Man malt sich dabei die übelsten Szenarien aus, was passieren könnte. Angefangen damit, dass das Gepäck auf dem Bahnsteig zurück bleibt, weil man nicht mehr rauskommt, aber auch, dass man selber nicht mehr wieder in den Zug hineinkommt und nur das Rad allein die Reise antritt. So etwas passiert aber nur selten. Die Schaffner haben meistens alles im Blick, auch wenn sie manchmal nicht zu sehen sind. 

 

Versuche also, ruhig zu bleiben, hektisch genug sind ja schon die Anderen. Häng deinen Reservierungsabschnitt (nicht dein Fahrticket!) an das Rad, wuchte es in die Halterung und geh mit einer oder zwei Taschen zu deinen vorreservierten Sitzplätzen. Meist ist das mehrere Wagons entfernt und es macht auch wenig Freude, weil es noch voll in den Gängen ist. Aber die Sitzplatzreservierung verfällt nach einer Viertelstunde, und es wär doch schade, wenn dort jemand anders sitzt. Wenn Du deine Sitzplätze dann mit den Taschen erneut erkennbar "reserviert" hast, kannst Du in Ruhe den Rest Deiner Sachen holen.

 

Wer Pech hat darf dieses Spektakel auf einer einzigen Fahrt auch mehrere Male über sich ergehen lassen, um sein vermeintlich "exotisches" Reiseziel zu erreichen. Kein Wunder, dass der Transport mit dem Fernbus immer attraktiver für viele Fahrradreisende wird.