Routenplanung

Wo geht's lang?


Der Abschnitt wird Dir vielleicht am Anfang etwas kompliziert und detailliert vorkommen. Aber alles halb so schlimm...

 

Es geht hier nur um die grobe Vorplanung, die Du einfach brauchst, um zumindest die Anreise zu organisieren, eine grobe Fahrtroute und vielleicht auch noch die Rückreise. Du hast unterwegs noch alle Freiheiten und kannst bei jeder Gelegenheit Deine Planung über den Haufen schmeißen. Die Details der jeweils nächsten Tagesetappe ergeben sich erfahrungsgemäß erst unterwegs aus den Umständen wie zum Beispiel dem Wetter. Sie werden oft erst beim Abendessen oder beim Frühstück besprochen. Diese Flexibilität und Freiheit ist gerade das Besondere an einem Roadtrip, als den man eine Radwanderung ja bezeichnen kann.

 

Wie stark Du Deine Reise durchstrukturierst und vorplanst, ist wie immer eine Frage der Persönlichkeit. Da gibt es auch kein richtig oder falsch. Es muss für Dich passen. Also ist es auch legitim, wenn Du alles schon vorher festlegst. Das bring zwar weniger Flexibilität, aber mehr Sicherheit, die manch einer braucht, um stressfrei den Urlaub genießen zu können.


Reisedauer

Jetzt wollen wir uns an die Vorplanung der Reiseroute machen. Dazu müssen wir natürlich wissen, wie lange wir überhaupt Zeit haben. Tun wir mal so, als würden verfügbarer Urlaub und Geld keine Rolle spielen...

 

Dann würde es nur darum gehen, wieviel Zeit eine Radreise braucht, um zu "reifen". Damit meine ich, wie lange man unterwegs sein sollte, damit sie ihre Effekte voll entfalten kann. Denn auch wenn das "Abenteuer Radtour" immer schon sofort beginnt, wenn man auf dem Rad sitzt, verändert sich meiner Meinung nach das Reisegefühl mit der Zeit.

 

Am Anfang fühlt sich alles neu und aufregend an, man muss sich an alle möglichen Abläufe gewöhnen, das Fahren mit Taschen, die Orientierung, die Landschaft und die Unterkunftssuche. Nach einer Weile läuft alles wie von alleine, so dass mehr Raum bleibt, die Eindrücke von Natur und Kultur aufzunehmen und zu sich zu finden. Sich als echten "Reisenden" zu empfinden. Und am Ende könnte die Reise sowieso ewig weitergehen...

 

Aber Du wirst ja nicht ewig Zeit haben. Es sei denn du möchtest wie die - gar nicht so wenigen - Weltreiseradler Wohnung und Job kündigen und Dein bisheriges Leben aufgeben. Das kannst Du ja immer später noch machen, wenn Du Gefallen am Radwandern gefunden hast. Vielleicht willst Du lieber klein anfangen...

 

Wochenendtrip 

Wenn Dur nur ein verlängertes Wochenende Zeit hast, dann brauchst Du nicht so viel vorbereiten, wie für die längeren Reisen. Wahrscheinlich wird Dich der Ausflug nicht allzu weit weg von der Zivilisation führen, so dass die Anforderungen an den Zustand des Rades und das mitzuführende Gepäck nicht so hoch sein müssen. Für die paar Tage reicht auch ein Blick auf den für so einen Zeitraum ausreichend verlässlichen Wetterbericht um die richtigen Klamotten zusammenzustellen - keine Reserven erforderlich. Und die Anreise wird wahrscheinlich auch unkomplizierter werden als bei einer richtigen Urlaubsreise. Der Regio wird Dich schon so weit aus der Stadt bringen, dass sich mindestens eine Übernachtung lohnt. Vielleicht ja gar keine so schlechte Idee, mal damit anzufangen, bevor Du Dich auf eine große Reise einlässt? Allerdings wird sich auf so einem Ausflug vielleicht noch nicht das Gefühl eines Roadtrips einstellen, das Radwandern so besonders macht. Also doch lieber gleich mit einer etwas längeren Reise anfangen?

 

Kurzreise

Eine Kurzreise bis ca. 1 Woche Dauer braucht schon etwas mehr Vorbereitung, denn es wird wohl etwas weiter weg von zu Hause sein. Also doch lieber ein paar Ersatzklamotten einpacken und auch auf Wetterwechsel vorbereiten. Außerdem wirst Du Dir Gedanken über die Anreise machen müssen, weil Du vielleicht doch den Fernzug nutzt oder mit dem Auto anreist und einen guten Abstellplatz dafür brauchst. Viel Aufwand, aber es lohnt sich auch. Denn schon beim Losfahren fühlt es sich ganz anders an, wenn du mehrere Tage vor Dir hast und ein Ende nicht gleich wieder bevorsteht. Und wenn die Tage um sind, wird es sich anfühlen, als würdest Du von einer viel längeren Reise zurückkehren.

 

Urlaubsreise

Wenn Du Dir zwei Wochen für Deine Radwanderung nimmst, dann ist das schon eine "vollwertige" Radreise, in der Du die Chance hast, das Radwandern richtig gut kennenzulernen. Aufgrund der Dauer und der damit in Verbindung stehenden Streckenlänge wirst Du wohl auch Bekanntschaft mit den nicht ganz so erfreulichen Ereignissen haben, aber das gehört eben auch dazu. Freu Dich stattdessen darauf, richtig intensiv einzutauchen in Natur und Landschaft und unglaublichen Abstand zu Deinem Alltag zu bekommen. Nur mit Dir und Deinem Weg und Deinem Erleben beschäftigt zu sein. Eine Kur auf Rädern...

 

Fernwanderung

Ich habe alles was 3 Wochen und länger dauert, mal "Fernwanderung" genannt, weil mir kein besserer Begriff einfiel. Aber ich meine, die Differenzierung ist nötig, weil hier nach meinem Empfinden noch einmal ein Qualitätssprung zu erkennen ist, wenn länger als zwei Wochen unterwegs bist. Es entfällt diese Einteilung in Start- und Schlusswoche, die man leider oft automatisch im Kopf hat. Stattdessen hast Du zwei Wochenenden, die deine Reise in mehrere Abschnitte Teilen. Für mich ist es immer schön, eine zweite Woche völlig frei von An- oder Abreise vor mir zu haben. Und wir wollen mal nicht vergessen, dass man in drei Wochen auch selbst als Schnecke auf Rädern ordentlich weit kommen kann. Da geht es praktisch nicht mehr ohne größere Veränderung von Landschaft und Kulturraum. Also werden die Entdecker-Gene aktiviert und die Reiseerinnerungen füllen sich mit Vielfalt.

 

 

 


Etappenplanung

Fahrtage

Urlaubstage sind nicht gleich Fahrtage. Vor der Detailplanung ist daher noch ein kurzer Blick auf die Anzahl der verfügbaren Fahrtage notwendig.  Anreise und Abreise musst Du in der Regel mit je einem Tag abziehen. Damit fallen schon mal zwei Tage für deine eigentliche Routenplanung aus. Darüber hinaus empfiehlt es sich immer, Puffertage einzuplanen um unterwegs einen gewissen Spielraum zu haben.

 

Für jede Reisewoche plane ich einen Pausentag als Puffer ein. Man weiß ja nie, was kommt. Und selbst, wenn nichts besonderes vorfällt, ist es ja auch ganz schön, mal an einem Ort, der einem besonders gefällt, einen Tag länger zu bleiben...

 

Wenn Du nun weißt, wieviel echte Fahrtage Dir zur Verfügung stehen, solltest Du ein Gefühl für die unter Deinen Rahmenbedingungen durchschnittlich leistbare Etappenlänge bekommen. Die Etappenlänge ist nämlich die wichtigste Grundeinheit für deine grobe Routenplanung. Sie wird maßgeblich von drei Faktoren beeinflusst, der Geschwindigkeit, der Lenkzeit und den Streckenbedingungen. 

 

 

 

Geschwindigkeit

Geh davon aus, dass die Reisegeschwindigkeit normaler Fahrer bei sich drehenden Rädern so um die 12-15 Km/h betragen wird (viele Tourenplaner-Apps haben von Hause aus 15 Km/h voreingestellt). Wer es sportlich angeht, wird vielleicht 20 Km/h oder auch mal mehr erreichen. Manche fahren wiederum zwar schnell, nehmen sich dafür aber Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen oder ein längeres Bad im See. Ein Genußradler schafft in der Stunde vielleicht nur 10 Kilometer und erholt sich dafür eher "kontinuierlich". Dann braucht er auch keine ausgedehnten Pausen. 

 

Lenkzeit

Es ist eigentlich ganz einfach: die Lenkzeit liegt maximal zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang, praktisch aber natürlich nur zwischen Frühstück und Einchecken im Quartier. Spätestens nach 8-10 Stunden auf Tour möchte jeder einfach gerne ankommen, egal ob gemütlicher oder sportlicher Fahrer. Am Ende sind es bei allen Fahrtypen abzüglich der Pausen, Besichtigungen und Orientierungsphasen meiner Erfahrung nach im Schnitt effektiv aber nur  5 - 6 Stunden auf dem Rad. Die müssen dann ins Verhältnis zur Geschwindigkeit gesetzt werden und schon hat man seine Etappenlänge.

 

Neben der Frage, wie lange Du Zeit hast und was Du schaffen kannst, solltest Du natürlich auch ins Kalkül ziehen, wie Du eigentlich täglich fahren willst.

Denn wer weniger den sportlichen Aspekt, sondern das Erleben von Landschaft und Kultur, die Begegnungen mit Menschen oder das Fotografieren in den Vordergrund stellen möchte, wird weniger effektive Zeit auf dem Rad verbringen. Schließlich warten am Wegesrand Unmengen an Sehenswürdigkeiten, Inspirationen und Fotospots. Es ist keine Schande, sich Zeit zu lassen. 

 

Andererseits gibt es auch Viele, denen die körperliche Betätigung besonders wichtig ist und denen Sport einfach Spass macht. Die sich selber spüren wollen und durch das gleichförmige, meditative Strampeln erst richtig runterkommen. Hier wären zu viele Stopps wahrscheinlich eher kontraproduktiv. Diese unterschiedlichen Vorlieben solltest Du gemeinsam mit deinen Mitreisenden bei der Routenplanung berücksichtigen. 

 

Bilden wir mal eine erste Formel für die Etappenlänge aus den beiden Faktoren. Sie lautet Lenkzeit mal Stundenkilometer. Daraus ergeben sich z.B. folgende Rechnungen:

 

5 Std  x  15 Km/h = 75 Km/Tag

6 Std  x  12 Km/h = 72 Km/Tag

7 Std  x  10 Km/h = 70 Km/Tag

 

 

Da nach einer alten Radwanderweisheit der langsamste das Tempo bestimmt und ich meine Grobplanung zur sicheren Seite hin mache, setze ich die Faktoren immer ganz unten an, was 10 km/h über 5 Stunden bedeutet. Daraus ergibt sich der von mir verwendete

 

Standard-Kalkulationswert 50 Km/Tag 

 

für die erste Grobplanung der Tour. Damit habe ich einen Tageskilometer-Ansatz, der in jede Jahreszeit und auch für Spätaufsteher passt. 

  

Streckenbedingungen

Deinen persönlichen Tageskilometeransatz solltest Du jetzt ins Verhältnis zu der Topografie deiner Reiseroute setzen. Ich würde sagen, man kann getrost im Mittelgebirge und in den großen Alpentälern ein Viertel der Streckenleistung wegen verminderter Geschwindigkeit und kürzerer Lenkzeit (Pausen) abziehen. Wenn es über einen Pass oder länger steil hinauf ins Hochgebirge geht, auch gerne zwei Drittel.

Wir erweitern unsere grobe Formel also noch einmal:

 

Lenkzeit mal Stundenkilometer mal Streckenbedingungen

 

Die angepasste Berechnung sähe dann z.B. mit meiner persönlichen Standardetappe so aus:

 

5 Stunden x 10 Km/h  x 0,75 Mittelgebirgsfaktor = 37,5 Km/Tag

5 Stunden x 10 Km/h  x 0,33 Hochgebirgsfaktor   = 16,5 Km/Tag

 

Denk aber daran, dass diese Formeln hier auch ihre physischen Grenzen haben. Ich bezweifele, dass du bei einer soliden Tagesleistung von im Normalfall 100 Km / Tag im Hochgebirge tatsächlich auch 33 km schaffst (zumindest nicht mit Gepäck). Außerdem kommen weitere Störfaktoren hinzu, die sich in eine grobe Formel einfach nicht einberechnen lassen, z.B. die Hitze- oder Regenwahrscheinlichkeit an deinem Reiseziel. Dadurch kann sich die Reisegeschwindigkeit nochmal merklich verringern (insbesondere durch zusätzlich nötige Pausen). Auch die Fahrbahnqualität (Straße, Kiesweg, Sand) kann -sofern bekannt- natürlich noch einbezogen werden, ist aber eigentlich eher etwas für die Detailplanung auf der Reise selbst.

 

Und weil mir das eigentlich alles viel zu kompliziert ist, rechne ich der Einfachheit halber am Anfang meiner Tourenkalkulationen pauschal so:  

  

20 Km / Tag im Hochgebirge
40 km / Tag im Mittelgebirge
50 km / Tag im Normalfall


Linienführung - Etappen räumlich planen

 

Fernradwege

Wenn Du es dir leicht machen möchtest, planst Du Deine erste Reise entlang eines touristischen Randwanderweges. Davon gibt es in Deutschland unzählige, um die sich die vielen Tourismusvereine rührig kümmern. Auch in den anderen europäischen Ländern wird die Bedeutung des Radtourismus gerade auch für die Regionen abseits der großen Touristenströme erkannt und es kommen jährlich neue Wege hinzu. Fast jeder Fernwanderweg, aber auch viele regionale Wege habe inzwischen eine eigene Internetseite. Es gibt dort nicht nur Streckeninformationen, sondern auch touristische Tipps, Übernachtungsverzeichnisse, Übersichten mit wichtigen Serviceeinrichtungen und, und, und.

 

Die Wege sind in der Regel gut ausgeschildert, so dass man kein besonderen Navigationsfähigkeiten  mitbringen muss. Meist sind die Wege auch gut befestigt (außer Sachsen-Anhalt) und werden zumindest in der Saison auch gepflegt, so dass Du keine Sorge haben musst, durch meterhohes Gras fahren oder Bäume zur Seite schieben zu müssen, um weiter zukommen. Das hat alles seine Vorteile, und auch ich nutze diese Wege gerne und oft.

 

Allerdings ist die Streckenführung solcher Wege, die ja auch von Ausflüglern genutzt werden, nicht immer optimal an die Bedürfnisse von Radwanderern angepasst, mit Ausnahme der Bahnradwege und der meisten Flussradwege. Sie sollen natürlich die lokale Wirtschaft unterstützen, und so machen viele dieser touristischen Radwege unorthodoxe Schlenker zu irgendwelchen Ausflugszielen, die es aus Radwanderersicht nicht zwingend bräuchte. Ich habe selber einmal die Diskussion zu einer solchen Radroutenplanung auf Landkreisebene miterlebt und weiß, wovon ich spreche...

 

Entfernungsabschätzung

Rechne einfach mal die Anzahl der echten Fahrtage (ohne Puffertage) mal deiner Standardetappenlänge, dann siehst Du, wie weit du vielleicht insgesamt kommen kannst. Das können innerhalb eines zweiwöchigen Urlaubs auf 10 Etappen immerhin selbst bei meinem Worst-Case-Ansatz 500 Kilometer sein. Luftlinie ist das die Entfernung Berlin-München (kann man mit dem Lineal im Atlas oder mit Googlemaps & Co. rausfinden). Allerdings ist die Luftlinie natürlich das absolute Minimum deiner Entfernung; wenn Du ein Drittel bis die Hälfte der Luftlinie nochmal oben drauf packst, dann kommst Du der Sache schon näher.

 

Wenn Du einen bekannten Fernradwanderweg fahren willst, wirst Du im Internet, in Broschüren oder in Büchern umfangreiche Informationen über die Streckenlängen bekommen und kannst entsprechend verlässlicher planen. Ansonsten geht es nach zwei möglichen Methoden weiter:

  • Entweder vom Großen ins Kleine. Dazu suchst Du Dir ein Tourziel in einer von deinem Startort wahrscheinlich erreichbaren Gesamtentfernung aus und passt die dazwischenliegenden Etappen so flexibel an, dass Du halbwegs hinkommst. Wenn Du die Gesamtentfernung oder die Topografie unterschätzt hast, können dabei natürlich auch mal längere Tage herauskommen. 
  • Oder Du machst es genau anders herum, vom Kleinen ins Große. Dabei baust Du die Etappen Stück für Stück mit deiner kalkulierten Standardetappenlänge von deinem Startort entlang der Topografie auf und schaust, wo Du nach den zur Verfügung stehenden Urlaubstagen landest. Damit hast Du die Etappenlänge besser im Griff. Könnte aber sein, dass du mitten im Nirgendwo aufhören musst. Das ist dann u.U. ein Handicap für die Rückreise.

Meist markiere ich mir auf einer Übersichtskarte mögliche Übernachtungsorte, die irgendwie auf dem Weg liegen oder die ich "mitnehmen" möchte, weil sie mich aus irgendeinem Grund interessieren. Vorher schaue ich mir immer kurz die Maßstabsleiste an, um ein Gefühl für die Distanzen zu bekommen. So liege ich meist schon nicht komplett daneben, wenn ich in einem zweiten Schritt die Distanzen überprüfe (analog mit dem Geodreieck oder digital mit einem Routenplaner).

 

Im nächsten Schritt können (und müssen manchmal auch) die groben Etappen an weitere lokale Umstände angepasst werden, wie z.B. die Quartiersverfügbarkeit, fehlende "Direktverbindungen" (z.B. über einen Fluss) oder größere Attraktionen, deren Besichtigung voraussichtlich länger dauert.  Dadurch können Abweichungen von bis zu 50% zu den oben stehenden Werten nach oben wie nach unten entstehen. Das ist für mich dann gerade noch im Rahmen der Toleranz für die Linienplanung. 

 

Festhalten der Linienführung

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Route detailliert aufzuzeichnen: die gute alte Paper & Pen-Methode mit Landkarten, Tourenbüchern und Reiseführern  oder eine Tourenplanungsapp. Beide habe ihre Vorzüge, deshalb ist es egal, wofür Du dich entscheidest. Letztlich hängt es nur von deinen persönlichen Vorlieben ab. Das Alter ist nach meinen Beobachtungen inzwischen kein Unterscheidungskriterium mehr, denn ich begegne mittlerweile sehr vielen technikaffinen älteren Radreisenden. Mit dem Siegeszug des E-Bikes scheinen alle Bedenken bezüglich dieses "neumodischen Schnick-Schnacks" beseitigt zu sein...

 

analoges Vorgehen

Damit komme auch ich für die Vorplanung gut klar. Start und Ziel der Reise nehmen und schauen, wieviele Kilometer Luftlinie grob dazwischen liegen. Danach muss dann die Strecke auf die Topografie umgelegt werden. Hierbei hat sich immer mein guter alter Schulatlas bewährt, der mich die verschiedenen Höhenlagen und insbesondere Täler und Flüsse gut erkennen lässt. Den kopiere ich und male die Strecke hinein. Das Ganze dann nochmal mit einer halbwegs genauen Straßenkarte (bzw. Fahrradkarte) abgleichen, Sehenswürdigkeiten einbeziehen und die Kilometrierung rausschreiben - fertig ist die grobe Routenplanung. Die analogen Planer unter uns nutzen dann für die präzise Tagesplanung unterwegs die zwischenzeitlich besorgten Landkarten für Radfahrer oder Tourenheftchen, in denen Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten eingetragen sind.

 

Tourenplanungs-App

Einfacher ist es natürlich, wenn Du mit einer Tourenplaner-App deiner Wahl Start und Ziel eingibst und Dir einen Routenvorschlag machen lässt, der sich am Gelände orientiert (Komoot hat das sehr anschaulich erklärt - andere Routenplaner sind vom Prinzip her aber ähnlich). Meist kann man dabei vorgeben, welche Art von Strecke man bevorzugt, z.B flache Strecken oder nur Asphalt. Dabei kommt dann ein etwas geschlängeltes Ergebnis heraus, was aber schon ziemlich nah an der Wirklichkeit liegt und einen guten Anhaltspunkt liefert. Die analogen Planer unter uns nutzen dann für die präzise Tagesplanung unterwegs die zwischenzeitlich besorgten Landkarten für Radfahrer, in denen Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten eingetragen sind.

 

Die grobe Route musst Du dann noch weiter präzisieren, wenn Du versuchst, Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten einzuplanen. Dazu suchst Du Dir an der Strecke besondere Orte heraus, die Du gern sehen möchtest, und gibst diese als Zwischenstopp in Deine App ein. Die analogen Planer unter uns nutzen die zwischenzeitlich besorgten Landkarten für Radfahrer, in denen Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten ebenfalls eingetragen sind. ei dieser Feinplanung kommen dann manchmal kürzere, manchmal längere Etappen heraus. Wenn einige davon zu lang für dein Leistungsprofil sind, musst Du gegebenenfalls einen zusätzlichen Zwischenstopp irgendwo auf dem Lande einplanen. 

 

Weitere vorhersehbare Zeiträuber sollten bei der späteren Feinplanung auch eingerechnet werden, z.B. Stadtbesichtigungen oder Fährfahrten. Musst Du über Schleusen oder Klappbrücken, dann kann es Dich ebenfalls unverhofft Zeit kosten (Sperrwerke an Flüssen sind manchmal sogar Tageweise für den Verkehr gesperrt). Unvorhergesehene Zeiträuber wie Dauerregen oder Gewitter mit Unwettern kannst Du natürlich nicht im Voraus berechnen. Hier musst Du dann während der Fahrt improvisieren. Einen Puffertag für Unvorhergesehenes solltest Du auf längeren Reisen für jede Woche aber ohnehin einplanen.

  

Am Ende hast Du deine Route vor Dir, die Du Dir für Deine Sichthülle an der Lenkertasche in geeignetem Maßstab ausdrucken kannst oder gleich als GPX-Datei speicherst, um sie im Handy oder im Fahrradnavi zu nutzen.

  

Wenn Du für Deine noch keinen digitalen Routenplaner kennst, kann ich dir BRouter wärmstens empfehlen. Das ist ein kostenloses Tool, das sowohl online wie offline nutzbar ist. Für die Offlinenutzung auf dem Smartphone brauchst Du aber weitere Apps. 

 

Ich nutze BRouter für meine Routenplanung ausschließlich am Desktop. Die erstellten Tracks kann ich im gängigen GPX-Format, aber auch in anderen Formaten herunterladen, z.B. auch als KML-Format. Umgekehrt kann ich aber auch bereits erstellte Tracks hochladen und bearbeiten, auch mehrere (allerdings nur nacheinander). Wenn man einen aufgezeichneten Track als Route hochlädt, generiert das Programm die Route anhand der Wegpunkte neu. So kann man wunderbar sehen, wo man Umwege gefahren ist, was nicht verkehrt ist, wenn man den Track weitergeben möchte.

 

BRouter bietet auch eine Vielzahl an Individualisierungsmöglichkeiten. Damit kannst Du den Routenvorschlag besser auf Deine persönlichen Bedingungen und Vorlieben einstellen.

Einziges Manko aus meiner Sicht ist, dass sich die Karte mit den eingetragenen Tracks nicht abspeichern lässt. Aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau.

 

Damit Du das Programm testen kannst, habe ich die Anwendung nachfolgend eingebettet. Wenn Du die Anwendung im Vollbild nutzen willst, geh am Besten gleich direkt zu BRouter.

 

 

Web client by Norbert Renner and contributors, for the BRouter routing engine Arndt Brenschede; Map Data © OpenStreetMap-Mitwirkende).

Auch wenn vielleicht der Eindruck täuscht, ich stehe mit den Schöpfern dieser Software in keinerlei Verbindung und bekomme auch keinerlei Zuwendungen. Ich bin einfach nur sehr angetan, weil ich schon sehr viele andere, z.T. auch kostenpflichtige, Tools probiert habe, die mir nicht derart zugesagt haben.

Tja, und wo lohnt nun die Anreise? Wo finde ich die Landschaften, die mich ansprechen, wo die Städte, die mich reizen? Das habe ich Dir hier nicht beantworten können. Dafür wirst Du wohl in Reiseführern oder auf entsprechenden Reiseportalen recherchieren müssen. Für die Radreisenden gibt es eine ganze Reihe von geeigneten Plattformen, aber auch Wikivoyage bietet sich an.

 

Wie ich schon sagte, ich möchte Niemandem meine Art zu reisen aufdrängen. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Aber ich habe für die Routenführung ein Prinzip, dass ich über all die Jahre konsequent eingehalten habe, und von dessen Bedeutung ich voll überzeugt bin:

 

Fahre von A nach B. Fahre nie im Kreis! 

 

Rundfahrten sind natürlich auch schön. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied: Sie bringen einen immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Gerade aber wenn man die Radreise für mehr als nur Bewegung an frischer Luft nutzen möchte, kann es das gewisse Etwas haben, einen Weg zurückzulegen, dessen Ausdehnung man an der Andersartigkeit der Orte, an denen man begonnen und geendet hat, erkennen kann. Und den man aus eigener Kraft bewältigt hat.

 

Es fühlt sich einfach anders an, wenn man in Berlin startet und knapp 3 Wochen später am Königssee mit seiner beeindruckenden Bergwelt steht. Es fühlt sich nach Vorankommen, Veränderung und Weiterentwicklung an. Und man kann diese ablesen an der täglichen Veränderung der Landschaft, der Kultur und der Menschen um einen herum!

 

Deshalb suche ich mir gerne ein Highlight am Tourenende, zu dem es mich während der Fahrt stetig hinzieht und an das ich mich dann später gern zurückerinnere.