Routenplanung

Wieviel Zeit nehm ich mir?


Etappenlänge

Die Etappenlänge ist die wichtigigste Grundeinheit für deine große Routenplanung. Sie hängt sowohl von deinen individuellen Voraussetzungen (siehe Körper und Geist), als auch von der Topografie des Landstrichs ab, in den es Dich verschlägt (siehe Reiseziel). Ein weiteres wichtiges Regulativ ist die zur Verfügung stehende Tageslänge in deiner Reisezeit (zum Vergleich: Mai ca. 15 Stunden Tageslicht, Oktober nur 11 Stunden!).

 

Wenn Du also kalkulieren möchtest, wie weit Du täglich kommst, berechne Deine Etappen immer auf die zum Fahren zur Verfügung stehende Tageszeit zwischen Frühstück und Einchecken, maximal zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Das dürften meist 8 - 10 Stunden sein. In heißen Gegenden minus 2 Stunden für die Siesta.

 

Geh davon aus, dass deine Reisegeschwindigkeit beim Fahren so um die 12-15 Km/h betragen wird, wenn du es sportlich angehst vielleicht bei 20 Km/h. Viele Tourenplaner-Apps haben deshalb von Hause aus 15 Km/h voreingestellt. Das ist aber nur die Zeit, wenn sich die Räder tatsächlich drehen! Da du aber unterwegs auch viel Zeit damit verbringen wirst, dich zu orientieren, Dir etwas anzusehen oder einfach auch mal Pause zu machen (oder etwas zu reparieren), werden es tatsächlich auf die einzelne Reisestunde mit allem Drum und Dran eher 10 Kilometer werden. Das rechnet sich dann dafür auch einfacher...

 

Daraus ergibt sich z.B. folgende Rechnung:

8 Std  x  10 Km/h = 80 Km/Tag

 

Das ist allerdings schon recht anspruchsvoll. Als Anfänger würde ich nicht so lange auf dem Rad sitzen wollen (bzw. können). Kann man mal machen, wenn irgendwelche Einöden durchquert werden müssen, in denen es weit und breit kein Quartier gibt, oder wenn man an anderen Tagen Zeit verloren hat und diese irgendwie wieder reinholen muss. Meiner Erfahrung nach sind es eher 5 - 6 Stunden auf dem Rad, woraus sich der von mir verwendete Standard-Kalkulationswert 50 Km/Tag ergibt.

 

Jetzt hast Du also einen Tageskilometer-Ansatz für deine Jahreszeit. Diesen solltest Du jetzt ins Verhältnis zu der Topografie deiner Reiseroute setzen.  Ich würde sagen, man kann getrost im Mittelgebirge und in den großen Alpentälern ein Viertel der Streckenleistung abziehen. Wenn es über einen Pass oder sonstwie länger ins Hochgebirge geht, auch gerne zwei Drittel...

 

Das sähe dann z.B. so aus:

 

5  Std  x  10 Km/h = 50 Km/Tag   

Mittelgebirge x 0,75  = 37,5 Km/Tag

Hochgebirge x 0,33 = 16,5 Km/Tag

 

Deine voraussichtliche individuelle Tagesleistung kannst Du jetzt anhand Deiner Reisezeit, Deiner Konstitution und Deiner Absichten selber berechnen. Denk aber daran, dass diese Formeln hier auch ihre physischen Grenzen haben. Ich bezweifele, dass du bei einer Tagesleistung im Normalfall von 100 Km / Tag im Hochgebirge auch 33 km schaffst (zumindest nicht mit Gepäck).

 

Ich rechne der Einfachheit halber am Anfang meiner Tourenkalkulationen (siehe unten unter Routenplanung) mit    

 

20 Km / Tag im Hochgebirge

40 km / Tag im Mittelgebirge

50 km / Tag im Normalfall

80 Km / Tag im Notfall

 

Damit komme ich für die Vorplanung gut klar. Start und Ziel der Reise nehmen und schauen, wieviele Kilometer Luftlinie grob dazwischen liegen. Danach muss dann die Strecke auf die Topografie umgelegt werden. Hierbei hat sich immer mein guter alter Schulatlas bewährt, der mich die verschiedenen Höhenlagen und insbesondere Täler und Flüsse gut erkennen lässt. Den kopiere ich und male die Strecke hinein. Das Ganze dann nochmal mit einer halbwegs genauen Straßenkarte abgleichen und die Kilometrierung rausschreiben - fertig ist die grobe (!) Routenplanung. Die Streckenlänge geteilt durch z.B. 50 km und Du hast auch die grobe Anzahl der Reisetage.


Einfacher ist es natürlich, wenn Du mit einer Tourenplaner-App deiner Wahl schon mal Start und Ziel eingibst und Dir einen Routenvorschlag machen lässt, der sich am Gelände orientiert. Meist kann man dabei vorgeben, welche Art von Strecke man bevorzugt, z.B flache Strecken oder nur Asphalt. Dabei kommt dann ein etwas geschlängeltes Ergebnis heraus, was aber einen guten Anhaltspunkt liefert. 


Die grobe Route musst Du dann noch weiter präzisieren, wenn Du versuchst, die Übernachtungsmöglichkeiten einzuplanen. Dazu suchst Du Dir an der Strecke besondere Orte heraus, die Du gern sehen möchtest, und gibst diese als Zwischenstopp in Deine App ein. Die analogen Planer nutzen die zwischenzeitlich besorgten Landkarten für Radfahrer, in denen Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten ebenfalls eingetragen sind. Bei dieser Feinplanung kommen dann manchmal kürzere, manchmal längere Etappen heraus. Wenn einige davon zu lang für dein Leistungsprofil sind, musst Du gegebenenfalls einen zusätzlichen Zwischenstopp irgendwo auf dem Lande einplanen. 


Weitere vorhersehbare Zeiträuber sollten bei der späteren Feinplanung auch eingerechnet werden, z.B. Stadtbesichtigungen oder Fährfahrten. Musst Du über Schleusen oder Klappbrücken, dann kann es Dich ebenfalls unverhofft Zeit kosten (Sperrwerke an Flüssen sind manchmal sogar Tageweise für den Verkehr gesperrt). Unvorhergesehene Zeiträuber wie Dauerregen oder Gewitter mit Unwettern kannst Du natürlich nicht im Voraus berechnen. Hier musst Du dann während der Fahrt improvisieren.


Am Ende hast Du deine Route vor Dir, die Du Dir für Deine Sichthülle an der Lenkertasche in geeignetem Maßstab ausdrucken kannst oder gleich als GPX-Datei speicherst, um sie im Handy oder im Fahrradnavi zu nutzen.


Wem das alles zu kompliziert ist, kann auch auf eines der immer zahlreicher werdenden Radreisebüchlein zurückgreifen, in denen die jeweiligen Strecken mit Routenbeschreibungen, spezieller Kartografie und allen für Radfahrer interessanten oder auch wichtigen Örtlichkeiten detailiert aufbereitet sind. Wie weit Du fährst, musst Du allerdings auch hier selbst entscheiden (anders als bei organisierten Radreisen).

 

Reisedauer

Jetzt wollen wir uns an die Vorplanung der Reiseroute machen. Dazu müssen wir natürlich wissen, wie lange wir überhaupt Zeit haben.  Tun wir mal so, als würden verfügbarer Urlaub und Geld keine Rolle spielen...

 

Dann würde es nur darum gehen, wieviel Zeit eine Radreise braucht, um zu "reifen". Damit meine ich, wie lange man unterwegs sein sollte, damit sie ihre Effekte voll entfalten kann. Denn auch wenn das "Abenteuer Radtour" immer schon sofort beginnt, wenn man auf dem Rad sitzt, verändert sich meiner Meinung nach das Reisegefühl mit der Zeit.

 

Am Anfang fühlt sich alles neu und aufregend an, man muss sich an alle möglichen Abläufe gewöhnen, das Fahren mit Taschen, die Orientierung, die Landschaft und die Unterkunftsuche. Nach einer Weile läuft alles wie von alleine, so dass mehr Raum bleibt, die Eindrücke von Natur und Kultur aufzunehmen und zu sich zu finden. Sich als echten "Reisenden" zu empfinden. Und am Ende könnte die Reise sowieso ewig weitergehen...

 

Die Meisten meiner Touren waren deshalb mindestens zwei Wochen lang. Besser finde ich persönlich aber drei Wochen.

 

Für jede Reisewoche würde ich eine Pausentag als Puffer einplanen. Man weiß ja nie, was kommt. Und selbst, wenn nichts besonderes vorfällt, ist es ja auch ganz schön, mal an einem Ort, der einem besonders gefällt, einen Tag länger zu bleiben...

 

Wie ich schon sagte, ich möchte Niemandem meine Art zu reisen aufdrängen. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Aber ich habe für die Routenführung ein Prinzip, dass ich über all die Jahre konsequent eingehalten habe, und von dessen Bedeutung ich voll überzeugt bin:

 

Fahre von A nach B. Fahre nie im Kreis! 

 

Rundfahrten sind natürlich auch schön. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied: Sie bringen einen immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Gerade aber wenn man die Radreise für mehr als nur Bewegung an frischer Luft nutzen möchte, kann es das gewisse Etwas haben, einen Weg zurückzulegen, dessen Ausdehnung man an der Andersartigkeit der Orte, an denen man begonnen und geendet hat, erkennen kann. Und den man aus eigener Kraft bewältigt hat.

 

Es fühlt sich einfach anders an, wenn man in Berlin startet und knapp 3 Wochen später am Königssee mit seiner beeindruckenden Bergwelt steht. Es fühlt sich nach Vorankommen, Veränderung und Weiterentwicklung an. Und man kann diese ablesen an der täglichen Veränderung der Landschaft, der Kultur und der Menschen um einen herum!

 

Deshalb suche ich mir gerne ein Highlight am Tourenende, zu dem es mich während der Fahrt stetig hinzieht und an das ich mich dann später gern zurückerinnere.

 


Stadtbildatlas

Planungshilfe für touristische Highlights