Ausflüge und Umwege

Was einem vom rechten Weg abbringt


Einen Tag, an dem du exakt die Route gefahren bist, die Du geplant hast, kannst Du Dir dick im Kalender anstreichen. Denn es kommt selten so wie gedacht. Aber genau deshalb machen wir das Ganze ja schließlich, oder? 

 

Keine Karte kann alle Sensationen enthalten, die am Wegesrand liegen. Woher sollen die Kartografen auch wissen, was für Dich ein Highlight ist? Das wirst Du unterwegs selbst feststellen! Und Du wirst überrascht sein, woran Du unterwegs Dein Interesse entdecken wirst. Eine romantische Burgruine am Hang? Eine niedliche Altstadt? Ein verlockender Biergarten unten am Fluss? Ein verwunschener Klostergarten hinter hohen Mauern? Oder nur eine Idyllische Bergwiese? Vielleicht auch eine Adaption des Auenlandes, nur ohne Hobbits? Wer weiß schon, was plötzlich an Deinem höchstpersönlichen Wahrnehmungshorizont auftaucht...

 

Kirche am Hang oberhalb des Donautales

Was auch immer da kommen mag, es wird Dich vor die Wahl stellen:

 

Weiter im Plan bleiben oder der Neugier nachgeben?

Jeder Abstecher, jede Besichtigung und jede Pause bringt natürlich einen nicht unerheblichen Zeitverlust mit sich.

 

Nehmen wir mal ein Ausflugsziel nur 2 Kilometer vom Weg entfernt. Das sind hin und zurück schon vier Kilometer. Bei 16 km/h also eine Viertelstunde. Klingt wenig, aber am Ziel angekommen musst Du Dich erst mal orientieren. Kostet Dich noch eine Viertelstunde, mit Anschließen und sichern der Räder. Dann guckst Du Dir deine Attraktion ausgiebig an, sagen wir, eine halbe Stunde. Abschließen, aufsatteln und wieder auf den Weg machen kommt noch mal auf eine Viertelstunde.

 

Also ist eine Stunde weg. Und das ist jetzt schon wirklich sportlich gerechnet!

Ihr müsst also die richtige Mischung aus Konsequenz und Ablenkung finden, was den geplanten Weg angeht. Alles am Wegesrand liegen zu lassen wäre wirklich schade, aber nicht voran zu kommen, weil man sich jedes Kirchlein unterwegs anschaut, ist auch keine Lösung. Probier es einfach aus, was sich für dich im jeweiligen Moment besser anfühlt. Die Entscheidung hängt ja schließlich auch von der aktuell zur Verfügung stehenden Zeit ab, von der Anziehungskraft des Objekts Deiner Begierde, deiner Erschöpfung, der Uhrzeit und von was weiß ich was. Wenn Du dir allerdings klar bist, dass Du viele Ausflüge machen willst, dann plane Dir entsprechende Zeitreserven für die Tagesetappen ein.

 

Wenn Du mit den Vögeln aufstehst, bist Du grundsätzlich fein raus, denn dann kannst Du das Maximum aus dem Tag herausholen. Wenn Du aber gern etwas länger schläfst (ist ja schließlich Urlaub) oder auch auf bestimmte Servicezeiten angewiesen sein wirst (Frühstück, Auschecken), mußt Du Dich mit weniger Zeit begnügen. Dann könnte es im Frühjahr und Herbst schon enger werden. Wenn Du zu spät loskommst, Dir zu viel Zeit für Erkundungen gelassen hat, unterwegs aufgehalten wurdest oder Du dich einfach verschätzt hat, ist es mit der Entspannung spätestens wenn die Dämmerung einsetzt schnell vorbei. Je nachdem, wie weit südlich Du bist, um so kürzer ist die Dämmerung und Du fährst in die Dunkelheit hinein. Und radeln im Dunkeln ist keine echte Freude. Man sieht schlecht und wird schlecht gesehen. 

 

Was Du auch berücksichtigen musst, sind die Schließzeiten der Rezeption Deines Hotels, Gasthofes oder Campingplatzes, die im Sommer auch weit vor dem Sonnenuntergang liegen können. Kommst Du immer erst um 11 Uhr los, musst aber schon um 18 Uhr einchecken, dann ist Dein Zeitpuffer trotz Tageslicht entsprechend kleiner. Oft gibt es auch in kleineren Orten nur bis 20 Uhr noch etwas warmes zu Essen, was eine Spätanreise ebenfalls unattraktiv macht. Mein Rat an alle Spätaufsteher ist deshalb, grundsätzlich kürzere Fahrzeiten und Etappen einzukalkulieren.

Du hast Dich vielleicht gefragt, was es mit dem Sichern der Rädern auf sich haben mag. Das ist ein grundsätzlich heißes Thema auf Radtouren. Du und Deine Begleitung, ihr werden dafür euren eigenen Weg finden müssen. Denn wie bei so Vielem gibt es hier kein richtig oder falsch, sondern nur ein individuell. 

 

Manche stellen ihre Räder einfach irgendwo hin und machen sich einfach keinen Kopf. Andere hingegen würden sich keine 5m von Ihrem Rad entfernen, wenn es nicht mit mindestens zwei Schlössern an einem Geländer oder Baum befestigt ist. Wer es ganz sicher haben will, der zieht noch eine längere Drahtschlinge durch den Gepäckträger und die Henkel der Fahrradtaschen, um das spontane Abreißen im Vorbeigehen zu verhindern. Das mag Dir komisch vorkommen, aber als ich einmal auf der Turmspitze des Ulmer Münsters stand und 100m weiter unten mein Rad sah, ging mir auch unwillkürlich durch den Kopf, was wäre, wenn in dem Moment jemand an mein Rad, mindestens aber an meine Taschen ginge? Dann hätte ich nur noch zugucken können...