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Österreich Ost-West 2021


Reisesteckbrief

3 Wochen im Herbst * September-Oktober 2021

 überwiegend gutes Wetter * viel Sonne, aber meist frisch


950 km * 21 Fahrtage * keine Pausentage, kurze Etappen

Anreise mit dem Railjet von Berlin nach Wien direkt, Rückfahrt Regio und ICE mit Umstieg in München


Östl. Wien und im Seewinkel weitgehend flach, ab Westufer Neusiedler See hügelig bis zum Semmeringpass  * danach Wechsel aus breiten und schmalen Alpentälern * mehrere kleine Pässe und Sattel * hügelige Almwiesen



Die Idee und was daraus wurde

Wegen der unübersichtlichen Coronasituation und der bei einem Roadtrip notwendigen Dauer-Testerei haben wir im Frühsommer 2021 ausnahmsweise mal keine Radwanderung unternommen, sondern stattdessen mit Rädern und Paddelboot auf dem Auto  verschiedene Spots in Norddeutschland angesteuert.  Das war auch schön, aber wir waren uns einig, dass uns etwas fehlte. Deshalb wollten wir im Herbst unbedingt 3 Wochen auf Radwanderung gehen. Leider ließ der Beruf es nicht zu, früher zu fahren und so konnten wir erst Mitte September aufbrechen. 

 

Die Touridee war, Österreich einmal im Längsschnitt  komplett von Ost nach West zu durchqueren, vom Neusiedler See zum Bodensee. Immerhin erstreckt sich das Land in dieser Richtung über gute 1000 Km und verändert dabei auch nicht unerheblich seinen Charakter. Und Abwechslung war genau das war es, was wir wollten. 

 

Eigentlich sollte es von West nach Ost gehen, aber da wir zum Bodensee keine Zugverbindungen mit den Rädern mehr bekamen, sind wir eben anders herum gefahren, was sich im Nachhinein als Glücksfall entpuppt hat. So konnten wir uns nämlich in Ruhe einen Tag lang Wien ansehen und  uns danach die ersten drei Tage wunderbar in flachem Gelände einfahren.

 

Im Vorfeld waren wir etwas unsicher, wie wohl die Wetterbedingungen zu dieser Jahreszeit in den Bergen aussehen würden, und so bereiteten wir uns auf alles vor. Und das war auch gut so! Nach anfänglich sommerlichen Bedingungen am Neusiedler See zog es sich zu und wir mussten uns eine Weile auf niedrige Tagestemperaturen um 10 Grad herum einstellen, was aber dank der vorsorglich eingepackten Übergangskleidung und mit "Zwiebeltechnik" gut zu bewältigen war. Am Abend kam dann quasi zur Entschädigung für einen trüben Tag oft noch die Sonne heraus und tauchte alles in ein intensives goldenes Licht. Wunderschön! Zum Ende der Reise hin Richtung Bodensee besserte sich das Wetter wieder und wurde spätsommerlich bei angenehmen Temperaturen um 20 Grad herum. Die T-Shirt-Zeit war allerdings definitiv vorbei, jeder Schatten und jede Bergabfahrt ging schon mit einem kleinen Kälteschock einher...

 

Trotz relativ kurzer Etappenlängen sind wir oft in die Abenddämmerung gefahren. Manche Etappe hat sich einfach wegen des Höhenprofils ein wenig länger hingezogen, als gedacht. Aber so ist das eben im Herbst... Die Strecke haben wir in der vorgesehenen Zeit von 3 Wochen geschafft, allerdings nur, weil wir am Arlberg dann doch den Zug nahmen und auf Pausentage verzichtet haben. In Ungarn und der Schweiz konnten wir trotzdem kurz vorbeischauen, da beide Länder quasi auf dem Weg lagen.

 

Rückblickend meinen wir, dass es eine sehr schöne und vielseitige Radreise war, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wir haben Österreich richtig gut kennenlernen können  und waren von seiner Vielfalt sehr angetan. Zum Einen natürlich wegen der beeindruckenden Bergwelt, und hier vor allem der Almwiesen. Die Fahrten auf geschwungenen kleinen Feldwegen über die auch im Herbst noch saftig grünen, welligen Hänge voller glücklicher Kühe und Hühner zählen einfach zu den besten Momenten der Radreise.

 

Im Kontrast dazu war es östlich des Neusiedler Sees flach und steppenartig. Überall fanden sich ausgetrocknete Salzlaken und die typischen Ziehbrunnen der Puszta. Ein völlig anderes Land.  Die östlichen Regionen mit ihren Weinhängen und Steppengebieten, den geduckt niedrigen, aneinandergebauten Häusern wirken schon sehr osteuropäisch.  Sie unterscheiden sich deutlich von den Postkartenidyllen im mittleren Teil des Landes mit ihren von zackigen Gebirgsketten gekrönten Tälern und den großzügigen Bauernhöfen mit Balkonen voller Geranien. Westlich von Innsbruck erinnern Landschaft und Bauweise  dann schon an das angrenzende schweizerische Graubünden. 

 

Diese Dreiteilung macht sich auch in der Sprache bemerkbar. Im Westen, insbesondere in  Vorarlberg geht es sprachlich zu wie in der Schweiz. In der Mitte Österreichs meint der unwissende Norddeutsche sich im bayrischen Sprachraum zu befinden, während ihn im Osten überall das gedehnte Wienerische empfängt.

 

Wir sind im Gegensatz zur Reise durch Deutschland im Corona-Jahr 2020 oft mit den Menschen ins Gespräch gekommen. Unser Eindruck war, dass es im Land unkompliziert und entspannt zugeht, auch wenn in der Gastronomie eine professionelle Höflichkeit vorherrscht. Vielerorts lebt man vom Tourismus und offenbar sind die Radfahrer im Sommer eine wichtige Zielgruppe. Allerdings wohl eher die Mountainbiker und vor allem die zahlreichen Downhiller, auf die inzwischen die meisten sommerlichen Liftbetriebe mit ausgedehnten Bike-Parks ausgerichtet sind.  Eine interessante Beobachtung war, dass Mitte September in den Bergen die Radwandersaison nahezu abgeschlossen zu sein schien. Weder Pärchen noch Gelegenheitsradler kreuzten unseren Weg. Stattdessen trafen wir nur noch Einzelfahrer und eine Einzelfahrerin,  die alle auf längeren Reisen waren und noch nach Venedig oder Istanbul wollten.

 

Was den Umgang mit Corona angeht, waren wir sehr überrascht, wie viel konsequenter hier in Hotels und Gastronomie der Impfstatus kontrolliert wurde als wir es aus Deutschland gewohnt waren. Selbst die Außengastronomie war ohne Nachweis nicht erreichbar. War man erst einmal kontrolliert, ging es dafür auch ohne Masken weiter.  Die Masken brauchte man, sofern man geimpft war,  eigentlich nur für den Lebensmitteleinzelhandel und den öffentlichen Nahverkehr. Um so überraschter waren wir von den ab Oktober sprunghaft angestiegenen Fallzahlen. 


Die Reiseroute


Erste Eindrücke