Fläming-Venlo


Die diesjährige Frühjahrsreise stand unter dem Motto "Deutschlands nördliche Mittelgebirge" und sollte eigentlich von Wiesenburg im Hohen Fläming über den Harz, den Solling, und das Weserbergland ins Sauerland und von dort über das Bergische Land zur Eifel bis ins Hohe Venn führen. Naja, aber meistens kommt es ja anders, als gedacht. Offensichtlich ein wenig überambitioniert, diese Route. Der erste Teil bis ins Sauerland lief allerdings noch halbwegs nach Plan, aber dann schlug das Wetter um und wir mussten uns nach den täglichen Unwettern ausrichten und verloren dadurch immer mehr Zeit. So sind wir statt des Sauerlands den Ruhrradweg bis zum Rhein gefahren, den uns allerdings vorher schon einige Leute empfohlen hatten. Von dort aus haben wir uns dann noch bist Venlo, kurz hinter die niederländische Grenze durchgeschlagen. Aber lies einfach selbst...

 

 

nach Dessau

Im extrem vollen Regionalzug fuhren wir nach Wiesenburg/Mark, unserem Startort. Von dort sind wir schon einmal gestartet, allerdings in die andere Richtung, nach Berlin. Diesmal also Richtung Elbe durch den Hohen Fläming. Sanft wellig, waldig und einsam. Einfache Dörfer und Reste von ländlichem Gewerbe aus DDR-Zeiten. Von Tourismus so gut wie keine Spur. Es war daher gar nicht so einfach, ein Quartier an der Elbe zu finden. Wir mussten letztlich nach Dessau in die Innenstadt, deren Nachkriegsbebauung interessant, aber nicht schön ist. Dafür hatte unser Hotel einige interessante Besonderheiten. Neben dem großen Käfig für einige putzige Nagetiere in der Hotellobby gab es nämlich auch einen Billardtisch und einen Kicker, den die Gäste kostenlos nutzen durften. Und weil nicht viel los war, haben wir von dem Angebot ausführlich Gebrauch gemacht und hatten einen lustigen Abend.


nach Bernburg

Aus Dessau herauskommen war einfach, da hier im Gegensatz zum restlichen Sachsen-Anhalt die Radwegausschilderung sehr gut ist. Wir fuhren auf direktem Weg nach Aken, eine seltsame Stadt an der Elbe. Auf sehr großem Stadtgrundriß drängen sich überwiegen einfache, flache Bauernhäuser, so dass sich eher ein unwirtlich-dörflicher Charakter aufdrängt, auch in Verbindung mit der oberirdischen "Verkabelung" der Häuser. Nett war aber die Hochzeit vor dem alten Rathaus, die wir kurz mitansehen durften.

 

Von Aken ging es weiter zur Saale nach Bernburg. Ab Wulfen kamen die ersten Erhebungen, die es zu überwinden galt. Oben angekommen erstreckten sich baumlose und windradbestückte Weizenfelder, die weite Blicke boten. Hier mussten wir auf bis zum Horizont schnurgeraden Wegen einige Schotterkilometer zurücklegen, die teils schlecht befahrbar waren, dafür aber autofrei. 

 

Abends in Bernburg rechte die Zeit noch für einen kleinen Stadtrundgang durch die hübsche Stadt runter zur Saale und danach hoch zum Schloß. Zum Abschluss besuchten wir noch das Stadtfest, dass mit großer Kirmes und Bühnenprogramm die Massen anzog. Dort konnten wir uns z.B. die Band "Juli" anschauen. Immerhin...

nach Quedlinburg

Richtung Quedlinburg ging es hinter Bernburg zunächst auf guten Wegen entlang der Saale durch eine idyllische, schöne Auenlandschaft mit Mooren und blühenden Streuobstwiesen. Der Wipperradweg, den wir danach nahmen, entpuppte sich hingegen als ziehmlich abenteuerlich. Teilweise war es nur ein Trampelpfad durch kniehohes Gras... 

 

Hinter Aschersleben, das ebenfalls ein Stadtfest feierte, nahmen wir deshalb lieber die Straße. Die war am Wahlsonntag relativ leer und führte schnurgerade über die weiten Ebenen des Harzvorlandes. Am Horizont war schon der Harz zu sehen... Letztlich haben wir auf der ersten Tageshälfte die Ruhe so genossen und getrödelt, dass es in Quedlinburg schon recht spät war, als wir ankamen. Deshalb mussten wir schnell einen Gasthof suchen, um noch etwas warmes essen zu können. Wir wurden am Marktplatz fündig und konnten vor netter Kulisse sogar noch draußen sitzen...

nach wernigerode

Tja, es hatte sich schon am Vorabend angedeutet: das schöne, ideale Radfahrwetter der letzten Tage mit Sonne und Wolken im Wechsel bei angenehmen 21 Grad ist vorbei. Grauer Himmel und erste Regenschauer schon vorm Frühstücksfenster. Wir wollten uns trotzdem Quedlinburg nochmal am Tag ansehen. Als wir aus der Stadt raus waren fing der Landregen an. Also hieß es zunächst, fahren in Regensachen. Nachmittags setzte der Regen aus, aber es war so unbeständig, dass wir sie an behielten bis Wernigerode. Dumm dass es nun auch noch in die Ausläufer des Harzes ordenlich bergauf ging. Also waren wir außen und innen nass. Die landschaftlichen Highlights auf dem Weg wie die Teufelsmauer, Thale mit seinen Seilbahnen und das steile Bodetal konnten wir unter diesen Umständen auch nicht richtig genießen. Nur die zahlreichen Feuersalamander im Bodetal , die fanden es gut und tummelten sich nahe einer Höhle. Zu allem Überfluss sind wir auch noch hinunter nach Blankenburg gefahren, das sich als traurig heruntergekommen und wenig sehenswert entpuppte. Von dort aus den Weg wieder zu finden war wegen Streckensperrungen nicht so einfach, und es ging nur über die Berge weiter.  


In Wernigerode waren wir deshalb schon wieder so spät, dass wir Probleme hatten, noch etwas zu essen zu finden. Schade auch, dass wir unseren schönen Balkon kaum nutzen konnten, bot dieser doch einen schönen Blick, bis zum markanten Rathaus der Stadt. 

nach Bad Harzburg

Heute war der Wetterbericht eindeutig: nachmittags so gegen 16 Uhr soll es regnen. Also haben wir unsere Pläne spontan geändert und die Etappe verkürzt. Statt nach Goslar sollte es nur bis Bad Harzburg gehen. Das müssten wir ohne Regen schaffen dachten wir. Nach einer kurzen Besichtigungsrunde durch Wernigerode ging es dann Richtung Ilsenburg. Auf dem Weg dorthin stießen wir auf ein echtes Kleinod: Kloster Drübeck. Eine idyllische Klosteranlage, sehr gepflegt und durch moderne Gebäude gekonnt ergänzt. Wir verbrachten hier eine ganze Weile, um uns alles anzusehen, die Äbtissinengärten z.B. oder die 1000-jährige Stiftskirche. Kaum hatten wir das Gelände verlassen, setzte der Landregen ein. Unter einem Tankstellendach zogen wir uns um und fuhren den Rest des Tages im strömenden Regen. Den R1-Radweg ließen wir links liegen, weil wir nicht mehr auf Forstwegen ständig auf und ab quer über die Harzausläufer fahren wollten. Wir hatten uns stattdessen eine Route über Hauptstraßen mit Radwegen herausgesucht. Und - man glaubt es nicht- der Regen war so stark, dass wir tatsächlich an einer entscheidenden Kreuzung den Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite nicht sahen und dachten, wir müssten auf der Straße fahren...


Nach dem Wechsel nach Niedersachsen ging es nochmal richtig hoch, unsere ersten Serpentinen - und immer noch Regen. So stark, dass die Äste vom Gewicht des Wassers so weit in den Radweg hingen, dass wir dort nicht fahren konnten. Aber unser Hotel lag zentral, das Zimmer war groß und die Heizungen gingen (!). Und das einzige Lokal, was noch auf hatte, eine Pinte wie eine Zeitkapsel aus den 70er Jahren, war gleich um die Ecke... Geht doch alles!

Nach Wildemann

Der Regen hat uns in der Etappenplanung zurückgeworfen. Wohin also sollte es heute gehen? Alles was erreichbar war, hatte keine verfügbaren Hotels. Am Ende haben wir uns gesagt, ehe wir in einem Atobahn-Motel landen fahren wir halt doch in den Harz hinein, über den Innersteradweg auf einer ehemaligen Bahntrasse. In Wildemann am oberen Ende des Tals, kurz vor Clausthal-Zellerfrld, fanden wir auch noch ein Quartier. 


Der Weg in den Harz hinein stellte sich dann als einfacher heraus, als der nach Goslar. Denn um in die Stadt mit der Kaiserpfalz zu kommen, mussten wir immer wieder die Bergflanke hinauf in den Wald und wieder hinunter. Deshalb haben wir uns nach den ersten Stunden wieder eine eigene Route gebastelt, die viel schöner und durch die Sonne ging, teilweise aber auch in die Sackgasse führte. Das dauert dann zwar auch, ist aber längst nicht so anstrengend, wie die ausgeschilderte Route. Vor und nach Goslar ging es unvermeidbar auf Radwegen neben Bundesstraßen entlang, die laut und voll waren. Im großen, mittelalterlichen Stadkern haben wir uns deshalb erst einmal am Markt eine Weile auf einer Bank in der Sonne ausgeruht...


Der Innerste-Radweg fuhr sich, nachdem wir ihn dann in Langelsheim gefunden hatten, sehr schön, immer der Abendsonne entgegen, alles ausgeschildert und guter Wegequalität und mit kontinuierlicher, aber moderater Steigung. Nach kurzem Halt am Innerstestausee legten wir noch einen Zwischenstop beim Harzer Schnitzel-König ein, weil es in Wildemann um 19:30 nichts mehr zu essen geben sollte. Wir haben uns die Schnitzel allerdings einpacken lassen, weil wir nicht die letzten 9 Km bergauf mit vollem Bauch fahren wollten. Stattdessen haben wir sie auf der Terrasse unserer Pension direkt am plätschernden Bach gegessen...

nach Northeim

Heute gings erst mal auf kürzestem Wege wieder raus aus dem Hochharz. Dafür mussten wir allerdings ein paar Höhenmeter in Kauf nehmen, ehe wir das lange Pandelbachtal erreichten, durch das wir bergab sausen konnten. 

Alles auf gut geschotterten Forststraßen. Auf diesem unbesiedelten Abschnitt durch den Wald war gut erkennbar, dass der Harz tatsächlich ein Gebirge ist. Dankenswerterweise bot nämlich der Weg weite Ausblicke in die ruhige Landschaft, da die Bäume unterhalb gefällt waren. 


Auch danach ging es durch die weite Landschaft des Vorharzes fast immer autofrei weiter. Was allerdings auf den gut ausgebauten Feldwegen die Reise erschwerte, waren die zahlreichen Vatertagsgesellschaften. Große und kleine Gruppen, mit und ohne Frauen, aber immer mit Bier und Bluetooth-Lautsprecher, laut aufgedreht. So waren sie immerhin schon von weitem zu erkennen... Allerdings häuften sich zum Nachmittag die Schnapsleichen, die auf der Straße lagen. Kein Witz! Wer weiß, wie es ausgesehen hätte, wenn es jetzt auch noch schöneres Wetter gegeben hätte. In fast jedem Dorf gab es ein Fest, meist an den Sportplätzen, aber auch direkt am Radweg. So mussten wir uns auch einmal zwischen Bierbânken und feucht-fröhlichen Einwohnern durchdrängeln... 

Nach Oedelsheim

Lange haben wir überlegt, wie es weitergeht. Es galt, den Solling zu überwinden, den ja so einige Mythen umranken. Großer Wald, dünn besiedelt und z.T. über 500 Meter hoch. Unsere Route sollte möglichst flach sein und ungefähr auf Höhe der Diemel ankommen, an der wir die nächsten Tage weiter fahren wollen. Da es keine ausgeschilderten Routen gab, haben wir uns mal wieder entschieden, die Route selbst zusammenzustellen. Und wir hatten Glück. Nach dem ersten, flachen Stück entlang der Leine ging es über Nebenstraßen ins Hügelland hinauf, mit tollen Ausblicken in die weite Landschaft. Danach fanden wir einen ausgeschilderten Radweg in den Solling, der in keiner Karte verzeichnet war, aber sehr schön zu fahren war. Ganz überwiegend ohne Autos durch die schöne, parkartige Landschaft. Das letzte Teilstück, um ins Tal der Weser nach Oedelsheim zu kommen, ging über eine kleine, kaum befahrene Landstraße, steil und sehr lang bergauf. Kennen wir bislang nur aus den Alpen... Und wenn es dann auch noch so warm ist wie heute, dann ist das nochmal ne echte Herausforderung. Den Abend konnten wir zur Belohnung im Garten unseres entspannten Hotels -voller Holländer- nett ausklingen lassen.

Nach Warburg

Heute hat es mal geklappt mit dem schönen Wetter! Schon morgens schien im Wesertal die Sonne. Nach einen gemütlichen Frühstück auf der Terrasse gings erstmal flussabwärts bis Bad Karlshafen. Da haben wir nicht schlecht gestaunt, denn das Örtchen präsentiert sich wie eine südfranzösische Hafenstadt. Die Hitze und die Sonne haben allerdings zu dem Eindruck das Ihre beigetragen, ein Aufenthalt war nur im Schatten möglich. Danach gings von der Mündung der Diemel in die Weser das Flüsschen bergauf, auf einem Bahnradweg, der aber grob geschottert und schlecht zu fahren war. Landschaftlich war das Diemeltal in diesem Abschnitt sehr hübsch. Kurz vor Warburg mussten wir nochmal knackig bergauf aus dem Tal raus. Oben angekommen, wussten wir auch warum. Neben einer tollen Rundumsicht war der Blick frei auf den Daseberg, einen vulkankegel mit Burg on top. Im Abendlicht sehr interesant, wie im Märchen. Die sollen ja eh alle hier aus der Gegend stammen (zumindest die der Gebrüder Grimm).

Nach Marsberg

Als wir am letzten Abend nach Warburg hochgefahren sind, hatten wir noch den Eindruck, der Ort wäre "reizarm". Heute aber, als es darum ging, vom Berg wieder auf der anderen Seite herunter zu kommen, konnten wir feststellen, dass er doch seine Reize hat. Auf halber Höhe, zwischen Neustadt (oben) und Altstadt (unten) gibt es eine Aussichtsplattform mit einem faszinierenden Blick über die Stadt, der die Mühen, sich hier mit dem Rad hoch zu kämpfen, allemal lohnt. 


Nach Warburg wird es landschaftlich allerdings leider auch "reizarm", die Tour nach Marsberg gehörte nicht gerade zu den Highlights der Reise. Das Tal wird flacher und breiter, so breit, dass auch wieder Gerwerbe hineinpasst. Die A4, die das Tal quert, wird hierzu auch das ihre beisteuern. Aber irgendwo muss ja das ganze Gewerbezeug ja auch stehen. Unterwegs kommt man bei Diemelstadt an einem speziellen Ort vorbei: dem Quast, einem Hügel, auf dem einmal im Jahr das Drachenfest stattfindet, ein sogenanntes Live-Action-Roleplay (kurz LARP), mit tausenden Teilnehmern aus aller Welt. Im Juli verwandelt sich der Quast dann in eine ausgeklügelte, riesige Fantasywelt. Das Ereignis wird sogar überall auf den offiziellen Hinweisschlidern für die Radwanderer beworben...


Entlang der Diemel wechseln ständig die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen. Das erkennt man eigentlich nur an der Farbe der Fahradwegweisungen. Keine Ahnung, warum Nordrhein-Westfalen als einziges Bundesland rote statt grüne Schilder verwendet... 

Nach Brilon

Heute hatte uns Tief "Frank" fest im Griff. Wir hatten unseren Weg ins Sauerland schon am frühen morgen umgeplant, nicht mehr durch einsame Bergwâlder sondern dichter an Ortschafeten und einer Bahntrasse entlang. Und das war offensichtlich eine gute Idee. Denn kurz nachdem wir aus Marsberg heraus waren und in ein längeres Waldstück mussten, verdunkelte sich der Himmel eindrucksvoll. Wir beschlossen, erst einmal nicht weiter zu fahren und die Situation in einer Eisenbahnunterführung zu beobachten. Es dauerte nicht lange, dann gingen die Gewitter los und dauerten eine ganze Weile an. Es wurde dann irgendwann ungemütlich, selbst in der Unterführung. Ein bißchen waren wir tatsächlich in Sorge, dass der Regen unsere Unterführung fluten könnte, denn der sich bildende Regenwasserbach, der sie durchquerte, schwoll ständig an. Und manch naher Blitzeinschlag verursachte in unserem Minitunnel einen höllen Lärm. 


Als das Gewitter nachlies und wir wieder mobilen Empfang hatten, deuteten wir die Zeichen der Wetterapp so, dass wir noch etwas weiter bergauf bis Padberg fahren konnten bis zum Eintreffen der nächsten Gewitterzelle. Bei Padberg gab es nämlich einen Bahnhof. Von dort aus daxhten wir, könnten wir die Straße neben der Bahnlinie weiter bergauf nach Brillon fahren, dann hätten wir immer die Option, in den Zug zu steigen oder uns zumindest unterzustellen. Der Entschluss, weiter zu fahren und nicht umzudrehen und von Marsberg den Zug zu nehmen, wurde dann richtig belohnt. Zwischen den Gewitterfronten öffnete sich nämlich die Wolkendecke und die Sonne kam zum Vorschein. Und der Streckenabschnitt warmeiner der schönsten am Diemelradweg.


In Padberg angekommen, das hoch über dem Diemeltal liegend nur durch einen steilen Anstieg zu erreichen war, stellten wir zunächst erst einmal fest, dass die Bahn imTal des Flusses Hoppecke lag. Also ging es in Schußfahrt wieder bergab, auf nasser Fahrbahn bei 15% Gefälle. Leider wurde der Bahnhof nur morgens um 7 Uhr und abends um 21 Uhr angefahren. Also musten wir noch ein Stück weiter zurück ins Tal nach Bredelar. Von dort sind wir dann tatsächlich das letzte Teilstück mit dem Zug gefahren... Es war schon weit nach 15 uhr und das nâchste Gewitter zog schon heran.

Zum Möhnestausee

Heute gings auf einer ehemaligen Bahntrasse entlang des renaturierten Flüsschens Möhne durch die einsamen Hügel des Arnsberger Waldes immer (naja, fast immer) bergab. Wäre in der Nähe nicht die Bundesstraße mit den vielen LKW gewesen, dann hätte man den langen Abschnitt, der uns aus dem Sauerland herausführte, noch besser genießen können. Aber die Trassen trennten sich bald und dann wurde es besser. Der ganze Weg war sehr gut asphaltiert, das hatten wir lange nicht. Schön war auch die Fahrt im Abendlicht am Nordufer des Möhnestausees. Da unser Hotel diesmal ein vier-sterne-Schloßhotel war, sind wir zum Essen lieber 1 km zurück ins Pier20 gegangen, ein neuer, moderner Laden mit urbaner Attitüde und einer traumhaften Terasse hoch überm See...

Nach Schwerte

Es wird wieder heiß! Wir fahren als Erstes zur beeindruckenden Staumauer der Möhnetalsperre und danach den Fluß entlang bis zur Mündung in die Ruhr. Hier wechseln sich Stadtetappen und ruhige Abschnitte ab. Insbesondere aber dort, wo im großen Stil Trinkwasser gewonnen wird, ist es sehr idyllisch. Wir fahren vorbei an Feldern, ganz blau von Kornblumen, vorbei an ausgedehnten Pferdekoppeln. Schafe drängeln sich im wenigen vorhandenen Schatten. Auch uns macht die Hitze zu schaffen. Wir haben zwar kalte Getränke eingekauft und in unserer Kühltasche schön frisch gehalten, aber diese sind schnell weggezischt.


Unterwegs wird uns zufällig klar, dass wir auf drei Kilometer am Wohnort von alten Schulfreunden vorbei kommen. Nach einem spontanen Anruf sind wir im Griechen in Schwerte, bei dem wir auch ein Zimmer genommen haben, verabredet und verbringen dort einen gemütlichen Abend.

Nach Hattingen

Unterwegs haben uns immer wieder mal andere Urlauber erzählt, wie schön doch der Ruhr-Radweg sein soll. Ich wollte es nicht so richtig glauben, war ich doch schon einmal auf Studienfahrt im Ruhrgebiet und voll mit den dabei gesammelten Eindrücken einer postindustriellen Stadtlandschaft. Nun aber, da es uns hierher mehr oder weniger zufällig verschlagen hat, muss ich feststellen, dass das Ruhrgebiet zwei Seiten hat. Diese hier entlang der Ruhr ist durchaus sehenswert, denn auch wenn ab und an mal eine Fabrik am Fluss steht, ist es hier überwiegend ganz reizvoll und abwechslungsreich. Man kann dabei völlig vergessen, dass ringsum Großstädte wie Dortmund oder Bochum nur ein paar Kilometer entfernt liegen. Die Ruhr schlängelt sich nämlich in einen Taleinschnitt mit teilweise ganz beachtlichen, bewaldeten Berghängen. Und die zahlreichen Trinkwassergewinnungsanlagen am Fluss vermitteln den Eindruck einer unberührten Auenlandschaft. Offensichtlich so naturnah, dass sich auch hunderte Wildgänse angesiedelt haben und mit ihren Jungen die Wege am Wasser bevölkern. So nah und zahlreich haben wir das noch nie erlebt. Zwischendrin liegen mehrere Stauseen, auf denen sogar Ausflugsverkehr per Schiff stattfindet. Einige Ortschaften haben sich ihr historisches Stadtbild erhalten und verströmen richtiggehend Urlaubsflair. Hattigen z.B. hat mir sehr gut gefallen, dessen Innenstadt eine wahre Postkartenidylle mit herausgeputzen Fachwekhäusern ist. Wer eher interessiert ist an Industriekultur kann sich im Tal der Ruhr auch an technischen Bauwerken wie Bahnviadukten, Stauwerken oder Zeugnissen der Bergbaugeschichte, erfreuen.

Nach Kettwig

Eigentlich wolten wir heute nach Duisburg...

Eigentlich. Stattdessen sind wir nur bis Kettwig gekommen. Immerhin auch 43 Km am kurvenreichen Fluss, aber Luftlinie nur einen Katzensprung von Hattingen. Es sind uns wieder einmal unangekündigt Gewitter dazwischen gekommen. Wir hatten Glück, dass wir die Veränderung des Wetters zu deuten wussten - verdächtige Wolkenfirnationen und aufkommender, böiger Wind ließen uns einen Blick auf die Wetter-App werfen. So konnten wir uns im Essener Ortsteil Werden ein großzügiges Plätzchen zum unterstellen suchen und das Unwetter abwarten. Und ein Zimmer in Kettwig,  dem nächsten Ort flussabwärts, buchen. In unserem netten Gasthof wurden wir mit einer Tafel Schokolade und einem Begrüßungsbier empfangen. Dabei stellten wir fest, dass wir offensichtlich die Altbiergrenze ins Rheinland überschritten hatten...


Der Weg heute führte für unseren Geschmack ein bißchen zu lang durch Essen hindurch, denn die Stadt rückt der Ruhr an einigen Stellen doch recht eng "auf die Pelle". Am Baldeneysee, dem Essener Freizeit-Stausee, ist es natürlich trotzdem schön, hier wird zwischen den Hängen des Ruhrtales gesegelt, gerudert, geskatet und gefeiert. Zumindest am Südufer war es dabei dennoch gar nicht so überlaufen, wie wir erwartet hatten. Da war es im Abschnitt direkt hinter Hattingen wesentlich voller, insbesondere mit Radfahrern. Das wussten wir allerdings nur, weil unser Versuch, einige Ruhrschleifen gleich von Hattingen aus abzukürzen und durchs Hügelland zu fahren, zusammen mit dem von uns genutzen Radweg an einer stark befahrenen Bundesstraße endete und wir wieder zurück ins Tal mussten...

Nach Vluyn

Der heutige Tag brachte auf den letzten Metern der Ruhr dann doch noch den direkten Kontakt mit den gängigen Ruhgebiet-Klisches. Wer also kein ausgeprägtes Interesse an Vorortsiedlungen und Industrieanlagen hat, kann sich den Abschnitt getrost sparen. Der große Duisburger Innenhafen wird auch nur kurz gestreift, so dass sich keine recht Hafenathmosphäre einstellen mag. Ein kleines Highlight war allerdings die Mündung der Ruhr in den Rhein, die ansprechend gestaltet war, mit einer abstrakten, orangen, übergroßen Stele und ein paar Bänken in den Uferwiesen. Von hier aus hatte man einen weiten Blick auf die anderen Ufer und die Schiffe auf dem Rhein. 


Leider war es auch diesmal so, dass entgegen der Wettervorhersage (die meinte, einen frischen, aber regenfreien Tag zu erkennen) just in dem Moment tiefschwarze Wolken heranzogen, als wir dem Rhein überqueren wollten. Also mussten wir unter der Rheinbrücke erst einmal eine halbe Stunde den Schlagregen abwarten, um dann bei Landregen die letzten zwei Stunden durch Moers zu unserem Hotel in Vluyn zu fahren. Aber wie sagt man, geteiltes Leid ist halbes Leid, und wir teilten es uns mit den Besuchern des Mittelalter-Spektakulums in Mülheim und des Moers-Jazz-Festivals. Gegenüber den Besuchern dieser Festivals waren wir immerhin wenigstens richtig gekleidet...


Was auch auffiel, die Orte ab  Mülhausen scheinen keine Leinenpflicht zu kennen. Bislang haben wir nämlich sehr positiv bemerkt, dass überall auf unserer Reise, selbst in Dortmund, die Hundebesitzer ihre Lieblinge an der Leine halten, auch in Parkanlagen und auf Feldern. Nun, hier funktionierte das leider nicht mehr. Wie in Berlin. Schade!




Nach Venlo

Heute ist unser letzter Reisetag auf dem Rad. Es geht über die niederländische Grenze nach Venlo, von wo aus Züge direkt nach Düsseldorf fahren. Außer, dass man dort sehr gut Kaffee kaufen können soll, haben wir noch nichts über Venlo gehört. Der Weg führt über Kempen und die Krickenbecker Seen zunächst durch eine flache Agrarlandschaft mit vielen Einzelgehöften und kleinen, verschlungenen und nahezu autofreien Sträßchen, auf denen es richtig Spass macht, Rad zu fahren. 


Kempen schien uns erst etwas verschlafen zu sein, bis wir am Rathaus einen kleinen, aber belebten Platz entdeckten, dessen Gastronomie sich unter schattigen Platanen rund um das örtliche Kino gruppierte. Weil es hier so nett war, haben wir uns ein -sehr leckeres- Eis gegönnt.

Hinter Kempen wurde es wieder leicht hügelig. Wir kamen vorbei am Nordkanal, einem Bauprojekt von Napoleon, was offensichtlich mit ihm unterging. Es sollte wohl eine Verbindung von der Maas an den Rhein geschaffen werden, von der allerdings heute nur angefangene Abschnitte übrig sind, Der geplante Verlauf des Kanals ist in der Region markiert mit seltsamen orange-weißen Säulen. 


Kurz vor der Grenze wollten wir uns noch Schloss Krickenbeck anschauen, im Kern des Freizeit- und Naturschutzgebietes Krickenbecker Seen. Dummerweise ist das Schloss aber nicht öffentlich zugänglich, die waldreiche Umgebung war aber heute zu Pfingsten gut besucht von Ausflüglern. Mitten im Wald kam dann die Grenze, kaum erkennbar. Nur markiert mit -natürlich orangen- Pollern. Neben dem Weg lag eine kleine Gedenkstätte auf beiden Seiten der Grenze, in der die Zeit thematisiert wurde, als hier im II. Weltkrieg ein großer Fliegerhorst der Luftwaffe errichtet wurde. Ein Stück weiter wird in den Niederlanden immer noch ein Segelflugplatz betrieben, wo man mit anschauen kann, wie die Segelflieger mit einer Winde steil nach oben gezogen werden.


Vorbei an beeindruckenden, sehr ambitionierten modernen Villen rollten wir dann hinunter ins Tal der Maas und freuten uns wieder über das wunderbare Radwegesystem in dem Land. Ja, und dann standen wir gleichzeitig vor dem Hotel und dem Bahnhof. Wir hatten unser Ziel erreicht. Uns blieb nur noch, am Abend die quirlige Altstadt von Venlo anzusehen, kurz an die Maas zu gehen und dann die Reise in einem netten Lokal am Rathaus ausklingen zu lassen...




Die Rückreise

Bahnfahren mit Fahrrädern im Gepäck ist ja immer ein ganz besonderes Erlebnis. Aber diesmal hatte sich die Deutsche Bahn etwas ganz besonderes ausgedacht, um uns zu einem unvergesslichen letzten Reiseeindruck zu verhelfen...

 

Es hatte eigentlich alles so gut angefangen. Wir rollten mit den Rädern morgens in Venlo vom Hotel auf die andere Straßenseite, kauften am Schalter problemlos die Tickets nach Düsseldorf und konnten in aller Ruhe in den Zug einsteigen, der in Venlo noch relativ leer war.

 

In Düsseldorf nutzten wir die 2 Stunden Umstiegszeit für eine schnelle Stadtbesichtigung. Einmal zur Kö und dann zum Rheinufer, zurück durch die Altstadt, die große Partymeile. Alles bei schönstem Sommerwetter. Der Einstieg in den Zug war auch noch o.K.

 

Und selbst im Zug lief alles zunächst wunderbar. Wir hatten gleich die ersten Plâtze neben dem Fahrradabteil. Mit ins im Zug saß ein holländisches Pärchchen, das offensichtlich eine ganz ähnliche Tour machen wollte, von Berlin aus in ihren Heimatort. 

 

Ein schlechtes Omen war, dass der Schaltschrank für den Zug, direkt neben meinem Fahrradstellplatz,  sperangelweit offen stand. Die Tür schwang frei im Raum herum und gab den Blick frei auf die gesamte Schaltttechnik. Nachdem ich den Schaffner informiert hatte, war zumindest dieses Problem behoben. Aber der Zug hatte noch ein ganz anderes. Die Klimaanlage war in so gut wie allen Wagons ausgefallen. Die Passagiere liefen mit roten Köpfen umher und fragten uns neu Zugestiegene, ob wir Werkzeug hätten, um die verschlossenen Fenster zu öffnen. Hatten wir leider nicht, aber es erbarmte sich ein seltsamer Herr, der mit blauem Anzug und Namensschild herumlief, und sich irgendwie kümmerte, ohne aber offizieller Bahnmitarbeiter zu sein. Nachdem die Fenster offen waren, war es erträglich, zog aber wie Hechtsuppe. 

 

Wenig später kam es zu einem ersten Halt des weiterhin völlig überhitzten Zuges auf freier Strecke. Nach einer Weile kam die Meldung "Bahnübergangsstörung", eine Viertelstunde später ging es im Schritttempo weiter. 

 

Hinter Hannover hielt der Zug dann erneut an einem zugekrauteten Bahnsteig in Gifhorn. Nach einer Weile verließen die ersten Passagiere die Sauna um frische Luft zu schnappen, zu rauchen oder den Hund Gassi zu führen. Als der halbe Zug auf dem Bahnsteig stand, erfuhren wir, dass es wegen eines Böschungsbrandes auf der Strecke vor uns erstmal gar nicht weiter gehen würde. Aber damit nicht genug, nach einer halben Stunde teilte der Schaffner mit, dass er den hinteren Zugteil, in dem wir saßen und in dem auch unsere Räder waren, nun sperren müsste. Wir sollten uns doch bitte schön vorne im Zug irgendwas suchen. An Pfingsten! Als ob es da noch freie Plätze geben würde. Mit viel Glück haben wir dann noch in verschiedenen Abteilen auf Einzelplätzen in der 1. Klasse unterkommen können.

 

Unsere Sorge waren aber die Räder und das Gepäck. Der Schaffner versicherte zwar, den Wagon abzusperren, aber aufgrund der Verspätung sollte laut DB-App der Zug in Berlin-Hauptbahnhof nur noch zwei Minuten Aufenthalt haben. Erfahrungsgemäß ist das zu knapp zum Ausladen. Und wir waren am anderen Ende des Zuges!  Der Schaffner meinte aber, er und nicht die Bahn würde entscheiden, wann der Zug weiterfährt, wir sollten uns mal keine Sorgen machen...

 

Es hat dann auch tatsächlich funktioniert. Wir haben uns bereits in Spandau auf den Weg zum hinteren Zugende gemacht, waren rechtzeitig im Fahrradabteil und konnten in Ruhe ausladen. Schade nur, dass wir den Anschlußzug nach Lichterfelde-Ost verpasst haben. Und dass der nachfolgende Zug voller Pfingstausflügler war. Also sind wir die 15 Km vom Hauptbahnhof nach Hause dann noch geradelt...

Kommentar schreiben

Kommentare: 0