Was ist Radwandern?

Über den Charakter einer Reiseform


Versuch einer Beschreibung

Wenn man versucht, allgemeingültig zu beschreiben, was Radwandern alles mehr sein kann als nur Radfahren, kann man eigentlich nur scheitern. Denn "Radfahren" stellt lediglich den technischen Rahmen für eine Radwanderung, die besondere Bedeutung ergibt sich hingegen für jeden Radwanderer aus ganz individuellen Gründen. Naturerlebnis, Bewegung, Abenteuer, Freiheit, Entspannung? Alles richtig und doch nicht vollständig... Akzeptieren wir also einfach die Vielfalt der Blickwinkel und bleiben wir zunächst beim technisch-organisatorischen.

 

Im Grunde ist Radwandern - der Name verrät es - zunächst einmal nichts anderes als Wandern. Was Radwanderer von den "normalen" Wanderern unterscheidet, ist eigentlich nur der Bewegungsablauf und dass das Gepäck vom Rad und -in der Regel- nicht vom Rücken getragen wird. Im Vorteil sind Radwanderer wegen der höheren Reichweite, im Nachteil wegen der begrenzteren Geländetauglichkeit. Ein weiterer Unterschied ist auch, dass man im allgemeinen Sprachgebrauch unter Wandern auch eine Tageswanderung versteht, während zum Radwandern die Mehrtägigkeit gehört (ansonsten handelt es sich eher um einen Radausflug). 

Radwanderer mit seinem mit Taschen beladenem Fahrrad an einem Fluss
Radwanderer mit seinem treuen Gefährten an einer Furt

Zusammengefasst kann man Radwandern so definieren:

Eine Reise...

  • auf dem Fahrrad
  • mehrtägig
  • mit Gepäck
  • von Ort zu Ort
  • selbst organisiert 

Natürlich gibt es jede Menge Abstufungen unter den Radwanderern, vom abenteuerlichen Weltenbummler über den sportlich orientierten Roadrunner und den geländegängigen Bikepacker bis eben zum gemächlichen BummelRadler. Wohin Du Dich später entwickeln wirst, wird man sehen. Hauptsache, Du fängst erst einmal an.  

Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche weitere Arten des Radurlaubs, die jeweils bestimmte Überschneidungen mit dem Radwandern haben und für einen Anfänger genau so geeignet sind. Hier ist insbesondere der organisierte Radtourismus zu nennen. Wer so reist, lässt sich zu seiner Radreise die Route, die Quartiere und den Gepäcktransport organisieren. Aber auch tägliche Radausflüge von einem festen Quartier aus können ihren Reiz haben. Wer sich als Mountainbiker, Downhiller oder Freerider im Gelände versucht wird ohnehin das Gepäck im Quartier lassen und Tagestouren machen. Das gleiche gilt für die Freunde des beliebten Rennradsports. Allerdings versteh ich nicht allzu viel von diesen Arten der radbezogenen Tagesfreizeit. Und deshalb ist das hier auch wirklich nur ein Ratgeber für Radwanderer.


Ist das was für Dich?

Über das Radwandern hat sich die Öffentlichkeit über die Jahre ein gewisses Bild zurechtgelegt. Irgendwas im Bermuda-Dreieck zwischen verschrobenem Spinnertum, Outdoor-Individualismus und Seniorensport. Trotzdem begegnen mir in Gesprächen zum Thema regelmäßig Neugier und eine grundsätzliche Offenheit, aber auch hartnäckige Vorurteile und Fehleinschätzungen. Das ist Schade, weil ich den Eindruck habe, dass sich dadurch viele trotz Interesse abschrecken lassen. Und weil das meiner Meinung nach vor Allem auf mangelndem Wissen beruht, wollen wir jetzt daran etwas ändern.

 

Du hast auch noch keine mehrtägige Radreise gemacht und nur ein paar diffuse Vorstellungen im Kopf, was Dich dabei erwartet? Dann aufgepasst, welche Sätze sprechen Dich an?  

 

Beim Radwandern kannst Du...

  • dich bewegen
  • an der frischen Luft sein
  • in der Natur sein
  • Weite erleben
  • dorthin, wo man sonst nicht hinkommt
  • umweltbewusst reisen
  • kostengünstig reisen
  • flexibel sein
  • dein eigener Herr sein
  • mal was ganz anderes machen
  • deine allgemeine Gesundheit fördern
  • deine Ausdauer und deine Kraft trainieren
  • Stress abbauen und zur Ruhe kommen
  • den Schlaf der Gerechten schlafen
  • Freiheit genießen
  • zu dir finden
  • etwas über dich selber lernen
  • die Dinge mal anders sehen
  • neuen Menschen begegnen
  • Gastfreundschaft und Unvoreingenommenheit erleben
  • fremde Sitten und Gebräuche hautnah erleben
  • die regionale Kultur hautnah mitbekommen
  • jeden Tag als intensiv und einzigartig erleben
  • unerwartete Entdeckungen machen
  • kleine Abenteuer erleben
  • deine Mitreisenden richtig kennen lernen
  • mit Freunden /Partnern gemeinsame Erlebnisse teilen
  • stolz sein auf das Geleistete
  • über dich hinaus wachsen
  • und vieles andere mehr

Na, das klingt doch gar nicht mal so schlecht, oder? Das sind alles Dinge, die Du auf einer Radreise erleben kannst, wenn Du es nur willst! Es muss nicht alles eintreffen und Du musst auch nicht alles wollen. So ist es bei mir auch nicht. Aber wenn Du an einigen Aussagen Gefallen findest, solltest Du am Ball bleiben. Manchmal reicht es schon, wenn ein Kriterium erfüllt ist, wenn es Dir nur wichtig genug ist. Umgekehrt ist Radreisen vielleicht wirklich nichts für Dich, wenn Du mit den Aussagen so gar nichts anfangen kannst.  

 

So viel zu den Dingen die sein können. Es gibt aber auch Dinge, die auf Radreisen nicht sein müssen, die aber immer wieder damit in Verbindung gebracht werden (teilweise durch die Reiseradlercommunity selbstverschuldet). Also Entwarnung, hier kommen die größten Fehleinschätzungen:

Was ich beim Radwandern nicht muss, ist...

  • Zelten
  • auf Komfort verzichten
  • auf Hygiene verzichten
  • auf gutes Essen und Trinken verzichten
  • ü40 sein (meinen Jüngere)
  • u40 sein (meinen Ältere)
  • durchtrainierter Athlet sein
  • jahrelange Fahrpraxis vorweisen
  • Pfadfinder oder Abenteurer sein
  • Mechaniker sein
  • ein tolles Fahrrad haben
  • eine High-End-Ausrüstung kaufen
  • jemandem etwas beweisen (auch nicht mir selber)
  • Kilometer schrubben (es sei denn, ich will unbedingt)
  • bei jedem Wetter fahren
  • in der Wildnis fahren
  • ein cooles Reiseziel haben
  • cool sein

Wenn Dich das Eine oder Andere davon beruhigt, dann kann ich Dich nur ermuntern, eine Radwanderung auf die Beine zu stellen und auf Deine ganz individuelle Art und Weise selbst zu gestalten. Finde heraus, was Radwandern für Dich ist. Alles kann, nichts muss. Vielleicht wirst Du ja sogar ein echter BummelRadler.

 

Alle Fragen beantwortet und alle Unsicherheiten beseitigt? Sehr gut! Aber wie sieht es mit den körperlichen Voraussetzungen aus? Bleib dran und lies bitte weiter unter Körper und Geist. Und wenn Du immer noch unsicher bist, ob Du fahren willst, guck Dir die BummelRad-Pinnwand an oder mach einfach mal den Radwanderertest.